Im Geiste Walther von der Vogelweides
Oft sprach man zu mir: "Schweige still,
wenn du in Frieden leben willst."
Doch hat uns Gott die Zunge nur
zum Lob der Mächtigen verliehen?
Wer Fürsten schmeichelt, lebt wohlgenährt,
doch verliert dabei die Ehre.
Wer offen spricht, was wahr er kennt,
den trifft oft bittere Armut.
Die Lüge schreitet stolz in Seide,
ihr werden Türen aufgetan;
die Wahrheit aber im schlichten Kleid
weist man von jeder Schwelle fort.
Doch lange währt der Sieg der Lüge nicht:
ihr Bau ist schwach und brüchig.
Nur das wahre Wort
lebt fort in den Herzen.
So frei sei jeder, der den Mut hat,
ohne Furcht zu sprechen.
Wo man das Wort in Ketten legt,
da naht der Tag des Niedergangs.
Nicht das Schwert bewahrt ein Land vor Not,
noch hohe Mauern und Zinnen:
Das Recht, die Wahrheit frei zu sagen,
ist des Volkes bester Lohn.