Das Leben sollte natürlich geordnet verlaufen, doch manchmal führen harmlose Begegnungen zu falschen und unvorhersehbaren Folgen.
Kapitel 1. Unschuldige Begegnungen
Draußen herrschte Winter. Große Schneeflocken wirbelten über den Boden. Im Zeitalter von Höchstgeschwindigkeit und Informationstechnologie war die beste Art, Geschwindigkeit zu spüren, eine rasante Schlittenfahrt. Und Handys für schnelle Kommunikation passten problemlos in die Taschen von Jogginghosen, an denen der Schnee nicht kleben blieb. Agnessa hatte sich schon immer für das Filmemachen begeistert. Eines Tages sah sie eine Stellenanzeige am Institut für Fernsehen und Rundfunk. Sie hatte gute Schulnoten, und niemand störte ihre Vorbereitung auf die Zulassung. Sie schrieb sich für das Abendstudium am Institut ein, um neben ihrer Arbeit tagsüber einen zweiten Abschluss zu erwerben. Ihr Mann Apollon war zu dieser Zeit längere Zeit abwesend.
Denis Turin arbeitete seit Kurzem als Fernsehmoderator. Nach seiner bescheidenen Hochzeit mit Tatjana, zu der die Arkins nicht eingeladen waren, war er ein leidenschaftlicher und liebevoller Mann geworden, der von Frauen im ganzen Land und manchmal sogar persönlich verehrt wurde. Agnessa wurde die neueste Schwärmerei eines berühmten Mannes. Eines Tages erblickte er ihre wunderschönen Beine unter einem kurzen Rock, die ihm in den Gängen des Fernsehstudios immer öfter begegneten. Er konnte der weiblichen Anziehungskraft nicht widerstehen und bot der Besitzerin dieser Beine eine Mitfahrgelegenheit an. Sie nahm an. So verzaubert war er, dass er mit der schönen Frau zu einem verlassenen Stadion fuhr. Weißer, matter Schnee umgab das Auto von allen Seiten. Es war warm im Inneren. Man hätte fast meinen können, sie wären im Weltraum: Kein Licht war zu sehen. Denis fuhr. Agnessa saß neben ihm. Sie fuhren durch die Stadt und hielten an einem verlassenen Waldstadion. Sie umrundeten die Straße und hielten gegenüber dem Eingang. Das Paar wollte über seine Probleme sprechen. Unaufdringlich begannen sich Hände in das Gespräch einzumischen. Hände berührten Arme, Hälse und glitten unter Pullover, dorthin, wo es wärmer und gemütlicher war. Beine folgten Schritt für Schritt, ein Bein fand das andere. Lippen trafen sich. Eine Zunge drang in den benachbarten Mund ein, die zweite in den ersten, und sie tauschten eine zärtliche Berührung aus. Die beiden Münder, die die Freude der Kommunikation erlebt hatten, schlossen sich. Die Lippen wirkten wie ein Energiespeicher. Doch die Hände intensivierten ihre Aktivität und begannen, in die Tiefen der menschlichen Kleidung einzudringen.
Die Hände spürten, dass sie auf zu viel Kleidung stießen, und begannen, das Überflüssige zu entfernen. Die intimsten Stellen des Körpers sind an einem Wintertag gut von Kleidung bedeckt, doch die Hände sind allgegenwärtig. Und die Bollwerke der Kleidung brechen unter den Händen zweier Liebender. Denis erreichte die intimen Stellen als Erster. Agnessa folgte ihm dicht auf den Fersen und prüfte die Festigkeit seines Gürtels. Die Gefühle im Auto vor dem verlassenen Stadion waren so offenherzig, dass sie an Wahnsinn grenzten. Sie waren unersättlich. Doch alles hat ein Ende, besonders die körperliche Liebe. Die umgeklappten Rücksitzlehnen dienten als Bett. Ein Kuss nach der Liebe ist kurz, wie ein Ausdruck der Dankbarkeit. Die Hände haben das Interesse an ihrem Partner verloren und sind mit der eigenen Kleidung beschäftigt. Die Beine entfernen sich voneinander. Die Rücksitzlehnen waren wieder aufrecht.
Die beiden wirkten unschuldig im Auto. Er fuhr los, und sie folgte ihm gehorsam vom verlassenen Stadion. In der Ferne funkelten die Lichter der Stadt. Doch das romantische Treffen im Stadion ließ auf sich warten; es gab ein Vorspiel. Agnessa erkannte das Waldstadion durch die Autofenster; hier hatte sie schon Stuntmen auftreten sehen. Sie stellte sich vor, wie das Stadion früher geflutet wurde und der Bevölkerung kostenlose Unterhaltung bot. Erwachsene und Jugendliche zogen ihre eigenen oder geliehenen Schlittschuhe und Kleidung an und gingen auf die Eisbahn. Die Menschen drehten ihre Runden im Stadion und freuten sich, wenn Lichter in den Ecken aufleuchteten und Musik erklang. Auch Fußball wurde im Stadion oft gespielt. Ein solches Stadion eignete sich auch zum Fallschirmspringen. Im Sommer saßen Mütter mit Kinderwagen auf den Bänken und sonnten sich. Das Waldstadion war einst erbaut worden und ideal für Stuntmen, die dort ihre Fähigkeiten unter Beweis stellten, indem sie mehrere Autos aufreihten und mit Motorrädern über deren Dächer rasten. Dieses Stadion wurde nur selten genutzt. Es gab eine schöne Zeit, da verkauften Stadien Kleidung und Schuhe; die einst so beliebten Stadien verdienten Geld mit der Vermietung von Marktständen. Nicht alle Stadien waren leer, und Agnessa liebte diese stadionähnlichen Märkte; manchmal hatte sie Glück beim Einkaufen. Die Stadien waren besonders hilfreich, wenn das Geld in der Familie knapp war. Je mehr Geld die Familie hatte, desto besser waren die Läden, die sie besuchte.
Zwei Wochen vergingen.
"Agnessa, fahren wir?", fragte Denis kurz am Telefon.
"Ja", stimmte Agnessa aufgeregt zu.
"Ich warte im Auto auf dich."
Agnessa zog sich schnell an und verließ das Haus. Denis, gutaussehend, saß am Steuer. Die weiße Mohairweste unter ihrem prächtigen schwarzen Haar, das von einem renommierten Friseur gestylt worden war, lockte mit ihrer Gemütlichkeit. Es war Winter. Das Auto fuhr hinaus in die Dunkelheit des Unbekannten. Agnessas Mohairpullover aus Melange-Garn glänzte. Mohair und Mohair harmonierten perfekt. Die Liebeszeremonie im Dunkeln des Autos auf einer Landstraße versprach leidenschaftlich zu werden. Doch ein entgegenkommendes Auto blendete mit den Scheinwerfern und zerstörte die ganze Zeremonie.
Sie warfen sich hastig die Kleider über und taten so, als wollten sie gehen. Denis hatte für ihr nächstes Treffen eine verlassene Wohnung ausgesucht. Ein heller, neuer Pelzmantel fiel auf einen Stuhl.
"Ein neuer Mantel?", fragte Denis grinsend.
"Den habe ich heute gekauft", erwiderte Agnessa fröhlich.
"Warte auf mich, ich bin gleich wieder da", sagte der Mann und verschwand durch die Tür. Agnessa schritt in der Wohnung auf und ab, die, wenn überhaupt, nur selten bewohnt war. Alte Autoreifen lagen in der Küche. Ein schäbiger, alter Kessel stand auf dem Gasherd. Wahrscheinlich hatte hier noch nie jemand gegessen oder gekocht, und wenn doch, dann war es schon sehr lange her. Ein heller Sperrholzschrank stand im einzigen Zimmer. In der Ecke stand ein Metallbett mit kugelförmigen Kopfteilen. Ein runder Holztisch störte die museumsartige Tristesse nicht. Sie blickte aus dem Fenster auf den schneebedeckten Park. Die Tür öffnete sich langsam. Denis erschien, duftete nach Schnee und frischer Luft. Er hielt ein feines Service in den Händen: Champagner, Pralinen, Bananen. Und das zu Recht, denn in dieser fremden Wohnung gab es nichts zu essen. Agnes fand Tassen und gekochten Tee. Das Bett schien angemessen, knarrte aber unerträglich. Die Liebenden mussten auf einen harten Untergrund ausweichen - den Boden. Ohne Champagner wären ihre amourösen Abenteuer in der vergessenen Wohnung tatsächlich unmöglich gewesen. Das Telefon klingelte.
Apollos zitternde Stimme fragte:
"Agnes, wann kommst du nach Hause?"
"Bald. Sehr bald."
Der Anruf auf dem Festnetz war der jungen Frau ein Rätsel. Woher wusste ihr Mann, der zwei Jahre lang fort gewesen war, wo sie war? Agnes" Stimmung sank etwas. Sie sah Denis an. Die Freude über ein gelungenes sexuelles Abenteuer spiegelte sich in seinem Gesicht wider. Ihm standen die Haare zu Berge. Sorgfältig strich er sich die Haare glatt und sah noch attraktiver aus. Wow, hatte er vielleicht vor dem Champagner etwas getrunken? Vielleicht einen Männertrank? Das Gesicht des jungen Mannes strahlte vor Freude. Denis hatte Agnes seit ihrem letzten Treffen nicht mehr bemerkt. Agnes' Privatleben nahm Fahrt auf.
Zwei Wochen vergingen...
"Sollen wir los?", fragte Denis am Telefon.
Agnes willigte ein. Denis fuhr etwa hundert Meter und hielt an.
"Zieh dich aus!", befahl er grinsend. Dann fügte er wütend hinzu: "Wir kriegen beide ein blaues Auge."
"Wieso?", fragte Agnes überrascht und zog sich aus.
"Wir sind hier unter den Fenstern eines Gebäudes. Hier laufen Leute herum, und du trägst nichts außer Stiefeln und Haaren", erklärte Denis.
"Ja, aber was für ein Körper! Du solltest ihn wenigstens loben. Lass uns weg von den Lichtern fahren."
"Ha, meine Schuhe sind also getrennt von mir, also muss ich aufs Gaspedal treten!" Du weißt, was ich meine: Hosen sind kein Rock; man kann sie nicht über den Kopf ziehen.
Die Silhouette eines kleinen Mannes huschte am Autofenster vorbei. Er spähte hinein und beugte sich kaum vor. Über der Tür brannte ein kleines Licht. Er erkannte die Leute im Wagen. Tisha kicherte zufrieden und bog um die Ecke des dunklen Gebäudes. Das verliebte Paar war in einem Auto mit getönten Scheiben mit etwas Wichtigem beschäftigt. Zwanzig Minuten später fuhr der Wagen langsam von der Straße und dem beleuchteten Gebäude weg und hielt an einer dunklen Stelle. Fünf Minuten später flatterte ein Mädchen, das mit seiner schmalen Taille einer Libelle ähnelte, aus dem Auto.
Agnessa winkte Denis zu und eilte zum Auto:
"Denis, wo ist mein Handschuh?"
"Was ist los, Agnessa? Ich habe deine Handschuhe nicht genommen."
"Such weiter, meine Liebe! Der Handschuh ist neu, aus Ziegenleder. Soll ich mir etwa neue kaufen?" "Weißt du, ich habe mein Taschentuch aus dem Fenster geworfen, und dein Handschuh ist mitgeflogen."
Agnessa warf ihr kastanienbraunes Haar zurück, winkte zum Abschied und ging schnell vom Auto weg.
Während sie ging, dachte sie: "Warum habe ich nur so ein Pech? Oder hat sie Glück? Hauptsache, niemand bemerkt mich neben Denis, vor allem nicht Apollon; der wird bestimmt etwas anstellen."
Agnessa kam nach Hause und rief ihre Freundin Tatjana an:
"Tatjana, ich habe einen neuen Schwarm. Du kennst ihn doch! Er ist im Fernsehen. Gib mir bloß keine Ratschläge; ich weiß, dass ich etwas Falsches tue."
"Agnessa, ich rede doch gar nicht mit dir. Er ist berühmt! Wozu brauchst du so einen Schwarm?"
"Er ist so toll. Wir haben so viel Leidenschaft!"
"Ich mache mir Sorgen um deine Schwärmerei", sagte Tatjana, hörte aber in diesem Moment das Telefon klingeln. Das Wichtigste, was Tatjana Agnessa nicht mehr sagen konnte, war, dass Denis Turin ihr Ehemann war. Sie hatte es ihrer Freundin noch nicht einmal erzählt und sie nie zu sich eingeladen. Georges war wieder aufgetaucht und wurde von da an Agnes' lebenslanger Freund. Solange sie sich erinnern konnte, hatte sie immer Probleme mit ihm gehabt: Er schien bei ihr zu sein, aber irgendwie auch nicht; er war entweder ein Freund oder nicht; aber weder ein Liebhaber noch ein Ehemann. Sie konnte es nicht länger als eine Stunde mit ihm in derselben Wohnung aushalten, manchmal reichten schon zehn Minuten. Georges irritierte Agnes zwar manchmal, aber sie wurde ihn nicht los.
Am nächsten Tag tauchte Georges mit einem Handschuh auf:
"Agnes, ich ging die Lindenallee entlang. Da sah ich Denis" Auto vorbeifahren, und Handschuhe flogen heraus. Ich blieb stehen. Der Handschuh glitzerte silbern auf der Straße. Ich hob ihn auf und brachte ihn dir. Ich erinnere mich, dass du so einen schönen Handschuh getragen hast. Warst du mit Denis unterwegs?"
"Glück oder Pech", dachte Agnes und sagte:
"Georges, Denis hat mich einfach nach Hause gefahren. Das passiert jedem mal! Danke für den Handschuh."
"Nein, das glaube ich dir nicht! Wo warst du gestern? Aber wenn du nicht reden willst, antworte nicht." Agnes erinnerte sich, dass sie im Sommer mit Georges an einen klaren See gefahren war, um Krebse zu fangen. Er aß die Krebse mit Genuss und spülte sie mit Flaschenbier hinunter. Sie beschloss, ihn zu besänftigen:
"Georges, hättest du gern ein Bier? Ich weiß, wo man Krebse kaufen kann. Komm, wir gehen zu dir." Georges lächelte:
"Wir gehen Flusskrebse essen und trinken Bier; mein Auto steht gleich daneben."
Die Flusskrebse färbten sich rot. Das Bier wurde kalt. Georges wurde milder. Doch Agnes' Ärger brodelte weiter: Sie mochte kein Bier. Sie erinnerte sich an Denis; mit ihm war es einfach gewesen, ohne Essen und Trinken auszukommen, und alles war sehr sinnlich, während es hier nur um die Verdauung ging.
"Georges, ich gehe jetzt, danke für den Handschuh", sagte Agnes und ging zur Tür.
"He, wag es ja nicht, die Tür zu öffnen! Du machst das Schloss kaputt!", rief Georges und öffnete die Tür selbst.
Kurz darauf ging Agnes ihren Geschäften nach, doch unterwegs nahm sie eine Mitfahrgelegenheit in Georges' Auto. Plötzlich sackte der große Mann über dem Lenkrad zusammen. Der Wagen geriet außer Kontrolle. Agnes blickte verzweifelt auf die Straße, auf das Lenkrad unter dem reglosen Fahrer. Sie fühlte Angst, Todesangst, sie wollte schreien und leben! Aber wie sollte sie überleben? Wie nur?! Sie war eine kleine, zierliche Frau, die nicht Auto fahren konnte! Sein Fuß drückte aufs Pedal, aber seine Hände rührten sich nicht! Agnes sah, wie der Wagen, versteckt zwischen dem grünen Laubwerk, immer schiefer und schwammiger die Straße entlangraste. Verzweifelt riss sie den Mann aus dem Lenkrad und versuchte, die Richtung zu ändern. Sie war darin schlecht, aber es gelang ihr! Die Straße war leer, niemand konnte ihr helfen, aber auch niemand griff ein. Wie lange sie schon gefahren war, wusste sie nicht, doch plötzlich tauchte ein rotes Kreuz vor ihr auf. Medizinische Hilfe war in der Nähe! Sie trat voll auf die Bremse. Der Wagen kam neben einer Silberpappel zum Stehen, die den Eingang zum Krankenhauskomplex bewachte. Die Sanitäter trugen den Mann aufgrund seiner beträchtlichen Größe und des vielen Fetts nur mit Mühe auf die Intensivstation. Er erlangte das Bewusstsein nicht wieder. Sie stieg in das Auto einer Freundin und fand sich in dieser Situation wieder. Was Agnes geritten hatte, wusste sie selbst nicht. Plötzlich stürmte sie auf die Intensivstation. Sie stürzte sich auf einen Mann, der an einem Herzinfarkt starb, wie ihr eine Krankenschwester mitgeteilt hatte. Sie rüttelte an dem leblosen Körper, der keine Lebenszeichen zeigte, und schrie mit markerschütternder Stimme:
"Georges, lebe! Lebe, Georges! Ich will, dass du lebst! Lebe! Hör zu, lebe!"
Agnes ignorierte die Sanitäter, die glaubten, es sei zu spät, den Toten wiederzubeleben. Sie begann, ihn künstlich zu beatmen. Sie beatmete ihn Mund zu Mund. Sie schrie ihn an. Sie begann, ihm ins Gesicht zu schlagen; niemand hielt sie auf, da ihre Bemühungen als sinnlos galten. Doch sie schlug weiter auf ihn ein. Sie schrie ihn wie einen Fluch an:
"Georges, lebe! Hör zu, Mann, atme!"
Sie atmete für ihn.
Und er seufzte, als hätte sie ihm einen Kloß im Hals zertrümmert.
Die Sanitäter kamen zur Besinnung und kehrten zu ihren Aufgaben zurück. Agnes wurde aus dem Zimmer geführt. Und sie beschloss, unbedingt Autofahren zu lernen. Georges war früher Wachmann und hatte davor in einem Möbelhaus gearbeitet. Offenbar war der Militärdienst schon immer die Hauptbeschäftigung der Männer. Jeder weiß, dass Frauen von Männern abstammen, also muss Agnes entwickelter sein als Georges, der Mann. Wenn Georges also ein Mann ist und nicht von Menschen abstammt, dann ist er unsterblich! Und Ärzte waren Menschen und wussten nicht, dass wahre Männer nicht sterben! Man könnte argumentieren, dass Männer längst ausgestorben sind! Entschuldigung, aber wenn sie jemals existiert haben, dann müssen einige ihrer Nachkommen sicherlich noch in der Menschenwelt leben. Nach dem Vorfall mit dem Mann, der offensichtlich über tausend Jahre Erfahrung hatte, musste Agnes die Feinheiten des Autofahrens meistern, was sich in ihrem seltsamen Leben als sehr nützlich erwies.
Agnes war hin- und hergerissen zwischen drei Leidenschaften: ihrem Ehemann Apollon, ihrem Freund Georges und ihrem Geliebten Denis. Außerdem hatte sie einen unbekannten Verehrer, mit dem sie nicht schlief. Er war ein kleiner, unscheinbarer Mann mit einem pockennarbigen Gesicht. Tisha, ein kleiner Mann, hatte Agnessas wohlgeformte Gestalt schon seit Jahren beobachtet. Er kannte ihre Leidenschaften und Hobbys. Er wohnte im Nachbarhaus und arbeitete im selben Gebäude. Tisha versuchte, mit ihren Abfahrts- und Ankunftszeiten Schritt zu halten - eine Kunst für einen kleinen Mann. Er kleidete sich anständig, besaß aber nie ein Auto. Dieser kleine Mann wusste über ihre großen Männer Bescheid. Er hatte keine Familie, trank nicht und vergnügte sich mit Agnessas Hobbys.
Die Nachbarn nannten ihn Tisha. Eines Tages hatte seine Nachbarin, Oma, ihre Katze Tisha verloren. Als Tisha vom Verschwinden der Katze erfuhr, überlegte er kurz und fand sie im Nachbarhaus, das ihrer sehr ähnlich sah, auf derselben Etage. Und so wurde er für Oma zu Tisha. Von Oma erfuhr Tisha von Agnessa. Er respektierte die alte Frau, die ihn mit Informationen belohnte. Sie wusste von seiner unerwiderten Liebe zu seiner jungen Nachbarin.
Oma schenkte seiner Zuneigung zu der Frau keine Beachtung, aber Tisha spielte mit. Ein Wagen mit getönten Scheiben parkte vor der Haustür. Denis vereinbarte telefonisch Agnes' Abfahrtszeit. Sie trat aus der Tür und befand sich im offenen Wagen. Zeit war verständlicherweise kostbar. Das Leben ist hart für schöne Frauen; man muss ständig alles im Griff haben. Gut, dass sie sie nicht bei einer Firma wie "Dosuga" eingestellt hatten. Offenbar hielt dieser Service drei Männer für genug für eine junge Frau. Denis Turin fuhr schnell vom Gebäude weg und raste die Autobahn entlang in Richtung Stadtzentrum. Gefühle von Neid und Hass auf Denis stiegen in Georges auf, also musste er eine Flasche Wodka holen, sich beruhigen und einen Racheplan schmieden. Kurz darauf ereignete sich ein Verkehrsunfall; er wurde im Fernsehen gezeigt. Die Unfallursache wurde untersucht. Der berühmte Mann, der die dunkle Limousine mit den getönten Scheiben fuhr, überlebte; ein Airbag rettete ihm das Leben. Agnessa hatte den Unfall an jenem Morgen im Fernsehen gesehen. Unter Tränen verließ sie das Haus. Ihre Nachbarin, eine ältere Dame, brachte gerade den Müll raus und zeigte Mitgefühl. Agnessa erzählte der ersten Person, die die traurige Nachricht hörte, und verschwieg dabei natürlich einige Details.
Die ältere Dame rief sofort Tisha an, die gerade aus dem Haus rennen wollte, um Agnessa hinterherzulaufen. Tisha dankte der älteren Dame für die hilfreichen Informationen und versprach, ihr frisches Brot mitzubringen. Nach dem Unfall fuhren Denis' Freunde seine Limousine zu seinem Haus. Nein, er wohnte nicht in dem Luxusgebäude, in das er Agnessa mitgenommen hatte. Er hatte Agnessa erzählt, es gehöre Freunden, die ihm vorübergehend einen Schlüssel gegeben hätten. Er wohnte in einem einfachen Viertel, in einem alten, hohen Gebäude neben einem Kino. Das Gebäude hatte kein warmes Wasser, sondern nur Warmwasserbereiter.
Denis' kleine Wohnung sah noch schlimmer aus als seine Limousine. Das Wrack stand in der Nähe seines Hauses, und er wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Agnessa oder Tatjana hatten ihn besucht, aber sie hatten sich nicht gesehen. Tisha traf Agnessa und fragte scherzhaft: "Wie geht"s, Agnessa?"
Er hatte Glück. Sie begrüßte ihn und erzählte, dass sie heute Morgen im Fernsehen einen Bericht über einen Bekannten gesehen hatten, der beinahe einen Autounfall verursacht hatte. Sie kannte ihn; er wohnte in einem Gebäude neben dem Kino. Tisha freute sich über diese Worte. Er war auf einer Geschäftsreise und fuhr zum Kino. Er kannte die Gegend gut, fand das Kino schnell und ging um die Häuser herum. Anhand des bekannten Wracks vermutete er, wo Agnessas Mann wohnte.
Tisha ging um die Überreste des Wagens herum, dessen Fahrertür beschädigt war. Die Scheibe war zerbrochen, aber auf seltsame Weise. Die Tür war eingedrückt, aber die scharfen Kanten hatten das Herz des Fahrers nicht erreicht. Der Wagen war noch zu retten, also brachten sie ihn zum Haus. Tisha hatte den Verdacht, dass Denis etwas angehängt worden war, aber von wem? Sein Blick fiel auf die getönten Scheiben. Sie waren seltsam. Tisha ging zum Auto und begann, die Scherben aufzusammeln. Interessanterweise war das Glas zwar zerbrochen, aber nicht in tausend Stücke zersplittert.
"Die Folie", dachte Tisha, "vielleicht ist das das Geheimnis?" Der Arbeiter hätte die Folie auf die Scheiben kleben können, aber die Autowerkstatt hatte sie nach dem Anbringen auf Transparenz geprüft. Sie waren für ihre Arbeit verantwortlich. Die Folie war von innen angebracht worden, und hier gab es zwei Schichten.
Wer sonst könnte in den Unfall verwickelt gewesen sein? Bald sah Tisha Georges in der Nähe des Kontrollpunkts stehen. Sein großer Wagen mit den neuen getönten Scheiben parkte neben ihm. Der Mann wischte die Scheiben von außen mit einem trockenen Tuch ab und tat so, als sei er extrem beschäftigt. Agnessa, die sehr traurig aussah, verließ das Gebäude und ging zur Bushaltestelle. Georges lief ihr nicht nach; er dachte, sie würde schon kommen, wenn es sein musste, und er würde bis morgen oder übermorgen warten.
Zuhause erzählte Apollo Agnes, dass seine Nachbarin Tisha vorbeigekommen war. Er suchte denjenigen, der die Scheiben von Denis' Auto getönt hatte. Er machte dem Arbeiter keine Vorwürfe; alles war in der Autowerkstatt überprüft und dokumentiert worden. Scheiben werden nicht zweimal getönt. Tisha suchte denjenigen, der die Außenscheiben getönt hatte, und aus irgendeinem Grund suchte er auch Agnes, erzählte aber ihrem Mann alles.
Apollo sagte zu Agnes: "Denis ist früh aus dem Haus gefahren, als es noch dunkel war. Wegen der Dunkelheit hat er nicht auf die Scheiben im Auto geachtet. Er fuhr auf der Autobahn und konnte durch die Scheiben nichts sehen."
Apollo hatte seiner Nachbarin, der alten Frau, das alles schon auf dem Heimweg erzählt, und sie erzählte Tisha für ein Stück Butter alles noch einmal. Tisha, wie eine Detektivin, hatte fast alles verstanden, aber irgendetwas an der Geschichte blieb fragwürdig. Wenn der Arbeiter den ersten Film angebracht hatte, wer hatte dann den zweiten Film angebracht, und das mitten in der Nacht auf der Straße? Er wusste, dass Agnes noch einen Freund hatte, Georges. Er hatte ihn am Tor gesehen, wie er dort stand wie ein Leuchtfeuer ohne Sirene. Tisha wusste nicht, wo Georges wohnte, also beschloss er, ihn nach der Arbeit aufzuspüren, während er nach Agnes suchte.
Am nächsten Tag tauchte Georges an seinem Treffpunkt auf: Würde er kommen oder nicht? Er hatte sich an Denis für den Film auf der Kassette gerächt, der die Liebesaffäre zwischen Denis und Agnes dokumentierte, indem er einen zweiten Film an die Scheiben eines dunklen Autos klebte, aber er sagte ihr nichts. Seine Männer hatten ihn dort platziert. Agnes ging auf Georges zu, aber anstatt mit ihm ins Auto zu steigen, trat sie beiseite, um mit ihm zu reden.
Mit ausdruckslosem Gesicht näherte sich Tisha beiläufig dem Auto von Georges und bemerkte sofort, dass die Folie auf dem Auto neu war, genau wie auf den Scheiben von Denis" Auto. Wie hat er es verursacht? Und wie clever hast du dir das alles ausgedacht? Tisha seufzte und ging, um Oma etwas Butter zu kaufen.
Das Leben ist so interessant, aber Agnes lachte nicht. Sie wurde von einem schrecklichen Schuldgefühl befallen; es kam ihr so vor, als hätte Denis ihretwegen einen Unfall gehabt. Sie wusste noch nichts von dem Band auf der Kassette, auf dem sie nackt war, also hatte sie keinen Grund, wütend auf ihn zu sein. Denis brachte natürliche Liebe in Agnes' Leben, die niemand sonst geben konnte. Er hatte etwas Außergewöhnliches an sich.
Agnes war von Tränen überwältigt. Sie konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, weil sie die Ursache des Unfalls auf der Straße nicht untersucht hatte. Sie wusste nicht einmal von der Doppelfolie an den Fenstern, aber sie hatte das Gefühl, dass dieser Unfall ohne Georges nicht hätte passieren können. Georges hörte am Ausgang des Gebäudes auf, auf Agnes zu warten. Sie ignorierte ihn völlig. Er traf sie dennoch und erzählte ihr von dem Band, er wollte Agnessa wieder zum Leben erwecken und sie gegen Denis aufbringen. Es ist ihm gelungen! Agnes schämte sich für den Film mit Übungen auf weißem Fell. Ein brennender Hass auf Denis wurde in ihrer Seele geboren. Danach schien sie sich von ihm zu verabschieden und kehrte ins Leben, zur Arbeit zurück. Als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber Georges kam sie mit seinem Lieblingswein und Snacks zu ihm. Der Wein hat seinen Zweck erfüllt.
Agnes lag da und erinnerte sich. Sie erinnerte sich nicht schlecht an Georges - sie erinnerte sich, wie er Kilogramm Trüffel mitbringen konnte, dann brachte er statt Süßigkeiten eine ganze Reihe Flaschen mit Lack in allen Farben und Schattierungen mit, oder er brachte einfach Wimperntusche in unvorstellbaren Farben mit.
Nein, sie fühlte sich von ihm nicht beleidigt und glaubte nicht einmal an seine indirekte Schuld am Unfall. Er war einer dieser Männer, die eine Frau lieben, solange es einen Rivalen gibt, das erfreute seinen Stolz. Die körperliche Liebe mit ihm funktionierte nicht. Sie erkannte, dass Georges" Leute die Bremsen von Denis" Auto kaputt gemacht hatten, das mit hoher Geschwindigkeit auf der ersten rutschigen Straße des Morgens fuhr. Das Auto drehte sich um und geriet auf die Gegenfahrbahn, doch er hatte erneut großes Glück: Es befanden sich keine Autos auf der Gegenfahrbahn, sie standen an einer Ampel und nahmen gerade Fahrt auf, als eines von ihnen Denis" Auto berührte.
Ihm wurde die Schuld an dem Unfall zugeschrieben, da er zwei durchgezogene Linien überquerte, er selbst wurde leicht verletzt und das Auto wurde verbeult.
In dem Moment, in dem Agnes nachdachte, rief Denis an und sagte:
- Komm schnell raus, ich habe dich wirklich vermisst, als ich im Krankenhaus war.
Agnes rannte zu ihrem geliebten Mann und stieg in sein repariertes Auto. Sie fuhren schnell, kamen aber nicht an. Ein Regenguss, ein Dauerregen, stoppte das Auto. Denis fuhr von der Autobahn ab in Richtung der Anlegestellen. Wundervolle und stürmische Wasserströme flossen durch die Fenster. Was könnten zwei ungeduldige Menschen tun? Sich lieben, ohne den Regen zu verlassen.
Denis hatte in der Blütezeit seiner Tätigkeit im Fernsehen ziemlich viel Geld, und er wollte noch mehr Geld, aber niemand hätte davon erfahren dürfen. Alle Fernsehzuschauer eines riesigen Landes gerieten in seine Gewalt. Die Leitung des Fernsehsenders hat ihn sehr gut behandelt, alle haben mit ihm Geld verdient. Popularität generierte Einnahmen durch die Verlagerung der Berichterstattung über riesige Werbeinvestitionen.
Und diese Einlagen landeten in seiner Sporttasche. Aus der Tasche ragten Tennisschläger heraus, darunter befanden sich zwei Kisten mit Geld, allerdings ohne Kisten. Kriminelle nehmen im Allgemeinen gerne Koffer mit, auch wenn sie leer sind oder nur ein Buch enthalten. Denis ist schlau, aber neben einem großartigen Verstand gibt es immer auch eine Gedächtnislücke bei grundlegenden Dingen. Die Sporttasche erregte die Aufmerksamkeit des Detektivs und seiner Assistentin Zoe. Denis stand unter ihrer geheimen Überwachung. Schon aus der Ferne war zu erkennen, dass sich in der Tasche keine Turnschuhe befanden, sondern etwas Schweres und Glattes, wie stehende Ziegelsteine.
Zu einer Zeit, als kleine Unternehmen gegründet wurden, war es einfach, ein weiteres Unternehmen zu gründen, das Gelder für Werbung im Fernsehen erhielt. Und eines Tages erhielt Denis das ganze Geld in bar. Kluges Mädchen. Wo wollte er sich mit dem Geld verstecken? Denis beschloss, zu Agnes" Haus zu gehen. Er wusste, dass Apollo nicht zu Hause war. Ein Treffen im Stadion könnte Ihnen einmal Freude bereiten, aber dann wollten Sie Heimkomfort und Liebe im Bett. Agnes wusste, worauf sie sich einließ, und wusste um die Popularität von Denis, aber sie wollte Geld oder Popularität, mit der sie Geld verdienen konnte.
Kapitel 2. Der doppelte Preis des Lebens
Ein Damenpullover mit der Aufschrift "Nicht anfassen, ich bin mit Diamanten besetzt" hing schlicht an einem Holzgestell. Tatjana bat darum, das funkelnde Prachtstück sehen zu dürfen. Der Pullover lag verstreut auf der Theke. Aus der Nähe betrachtet, entpuppten sich die Diamanten als hochwertiges Glas - und wie sie im Neonlicht funkelten!
Und Neujahr war so nah! Als sie das funkelnde rote Prachtstück in den Händen hielt, bemerkte sie ein schwarzes Wunder. Der schwarze Strickpullover war mit gläsernen Diamanten von der Größe von Kirschkernen besetzt. Er schimmerte so verführerisch! Aber Tatjana dachte, Denis sei wieder einmal knapp bei Kasse, und sie hatte auch nicht genug Geld für diese Glasperlen. Der kleine Vlad wirbelte am Saum des Mantels seiner Mutter herum und griff nach den Plastikautos. Er interessierte sich nur für Autos oder Pistolen aller Kaliber. Die Frau konnte nicht widerstehen, ihrem Sohn Spielzeug zu kaufen. Sie warf einen Blick auf die funkelnden Pullover und seufzte tief.
Bevor seine Frau und sein Sohn ankamen, kramte Denis in dicken Geldbündeln. Beim ersten Geräusch des Schlüssels im Schloss warf er das Geld in seine Sporttasche, legte ein Sportshirt und Tennisschläger darauf und schloss den Reißverschluss.
Sein Sohn stürmte freudig ins Zimmer und wirbelte mit seinen Spielsachen vor seinem Vater herum. Dieser nickte zustimmend. Er gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange, erwähnte beiläufig, dass er zum Training gehen würde, und verschwand durch die Tür. Tatjana, deren langes Haar zu einem Dutt hochgesteckt war, ging in die Küche, um ein einfaches Abendessen zuzubereiten.
Ihr Mann hatte ihr wieder einmal nicht genug Geld für die Familienausgaben gegeben. Der spärliche Lebensmittelvorrat animierte sie nicht zum Kochen. Sie stellte einen Topf Wasser auf den Herd und holte Nudeln und zwei Würstchen für ihren Sohn heraus. Die Mayonnaise war nicht mehr ganz frisch; ihre Reste lagen weiß am Boden des Glases. Tee, Brezeln und zwei Bonbons vervollständigten die Mahlzeit. Tatjana hatte keine Klagen über ihr Leben. Sie hatte in letzter Zeit nicht gearbeitet und war mit ihrem Sohn zu Hause geblieben. Ihr Mann war der Alleinverdiener der Familie. Er verwöhnte sie nicht mit Aufmerksamkeit. Sie spürte mit jeder Faser ihres Körpers, dass er eine neue Frau hatte, und sie konnte sich schon denken, wer es war! Mehr noch, Tatjana wusste es, sie war sich fast sicher, dass es Agnessa war! Verständlich, Denis war ein berühmter Mann!
Tatjana mied Fernsehsendungen sorgfältig; ihr Nervensystem konnte das nicht ertragen. Sie sah nur wenig fern. Als Denis' Talent für das Fernsehen zum Vorschein kam, war sein Aufstieg erstaunlich! Ein paar Jahre später wurde er Moderator der Fernsehsendungen des Senders. Sein großer Kopf flößte den Leuten Respekt ein. Er war immer an der Seite seiner Frau. Ihr Kopf war mit einem langen Zopf geschmückt. Sie waren ein gutes Paar und hatten einen klugen Sohn. Es gab Liebe, aber das Leben war voller Probleme.
Agnessa wollte Denis' Sporttasche wegräumen. Auf den ersten Blick hätte man meinen können, er hätte seine Sachen von zu Hause mitgenommen und wäre bei ihr eingezogen, doch das Gewicht der Tasche schockierte sie. Der Anblick des riesigen Geldbetrags überraschte sie, dann erfreute er sie, und schließlich fragte sie sich, wie sie ihn nur an sich nehmen sollte. Denis, ein Mann mit wunderschönen Augen, aber sie liebte Apollon.
Zugegeben, der Unterschied zwischen ihnen war kaum wahrnehmbar. Doch aufgrund der Verliebtheit hegte sie einen tiefen Groll gegen Denis. Agnessa wollte die Tasche nicht aus dem Haus bringen, aus Angst, Denis könnte sie des Diebstahls verdächtigen. Sie beschloss, das Geld durch eine dritte Person und an einem anderen Ort als ihrem eigenen von Denis anzunehmen. Denis verlor seine Vorsicht. Die Liebe blendete ihn. Agnessa bereitete ihm eine wilde Nacht: Sie versuchte es, sie liebte, aber immer mit dem großen Geld im Sinn. Er beschloss, die Tasche bis zum Abend bei Agnessa zu lassen und das Geld dann zu seiner Frau Tatjana zu bringen.
Denis hatte mehrere Verstecke zu Hause vorbereitet. Er konnte das Geld nicht sofort dort lassen; Er hatte das Gefühl, beobachtet zu werden. Er beschloss, lieber als gewöhnlicher Frauenheld denn als Schwerverbrecher zu gelten. Denis ging zur Arbeit ins Fernsehstudio, und die Tasche blieb in Agnessas Schrank. Er war ja nicht dumm; er hatte nicht das gesamte Werbegeld genommen, sondern einen Teil für die Arbeit behalten. Die Werbung musste ja laufen, und nicht jedes fehlende Geld würde sofort auffallen, und nicht jeder kontrolliert ständig die Finanzen der anderen. Er hatte Zeit, sich zu überlegen, was mit dem Geld geschehen sollte. In der Zeit vor den Computern hatte Denis eine neue Fernsehsendung entwickelt. Die Leute mochten die Unterhaltungssendung. Die Popularität des Fernsehmoderators erreichte unglaubliche Höhen und begann ihm im Weg zu stehen. Also gab er die Sendung einem Bekannten und beschloss, den gesamten Sender zu übernehmen. Denis wollte die absolute Macht über die ganze Nation über den Fernsehbildschirm. So war er eben. Und das Geld in seiner Sporttasche schien ihm völlig unbedeutend.
Agnes erschien das Geld in Denis' Sporttasche bei ihr zu Hause enorm, und der Wunsch, es in die Hände zu bekommen, beherrschte ihre Gedanken. Sie rief ihren Freund Georges an. Ihr wurde sofort klar, dass es in dieser Angelegenheit am besten war, unauffällig zu bleiben. Sie musste Denis gegenüber loyal bleiben, und das Geld von zu Hause zu nehmen, wäre töricht: Er würde merken, wer es genommen hatte.
Georges, ein professioneller Wachmann, erklärte sich bereit, Denis niederzuschlagen, die Tasche zu nehmen und Agnes das Geld im Auto zu übergeben. Außerdem war Apollon, Agnes' Ehemann, an diesem Tag aus Cold City zurückgekehrt. Denis nahm die Geldtasche aus Agnes' Haus und fuhr, wie ein guter Ehemann, zu seinem eigenen Haus, wo er ein Versteck für das Geld vorbereitete.
Im Eingangsbereich seines Hauses riss ein kräftiger Mann Denis die Tasche mit den Schlägern aus der Hand. Denis wehrte sich. Da schlug ihm der Mann gegen den Kopf. Denis fiel zu Boden. Denis zu töten, war nicht Teil von Georges' Plan gewesen. Der Wachmann trug eine Maske, die sich leicht in einen gewöhnlichen Herrenhut verwandeln ließ.
Georges nahm die Schläger aus seiner Tasche und legte sie neben Denis. Dann verließ er gemächlich das Gebäude und trug seine Tasche. Georges' Schlag war ohrenbetäubend. Denis sackte, noch atmend, gegen die Wand. Mit relativ reinem Gewissen ließ Georges den verlassenen Denis zurück und hinterließ keine Spuren des Verbrechens. Apollo wartete bereits im Auto auf ihn. Agnessa war nicht da. Sie hielt Wache und beobachtete den Eingang des Gebäudes. Agnessa sah zwei weitere Männer das Gebäude betreten, kurz verweilen und dann wieder hinausgehen.
Als Tatjana sich ihrem Haus näherte, sah sie einen großen Mann mit einer Tasche, die der von Denis ähnelte, schenkte ihm aber keine Beachtung. Im Gebäude sah sie ihren Mann regungslos auf den Stufen liegen und vergab ihm alle Sünden, von denen sie wusste oder die sie vermutete. Tatjana erkannte sofort, dass ihr Mann tot war. Sie weinte nicht, sie begann nicht zu klagen, sondern hielt einen Moment inne und fühlte dann Denis' Puls. Er war nicht mehr da. Ihre Kräfte verließen sie. Sie verlor das Bewusstsein. Ermittler Verevkin traf mit seinem Team ein. Ilya Lvovich kam mit Zoya und fotografierte die Leiche.
Georges teilte das Geld in drei gleiche Teile: für sich, Agnes und Apollon. Erstaunlicherweise gab es keinen Streit. Nachdem Apollon, Georges und Agnes das Geld aufgeteilt hatten, gingen sie getrennte Wege. Apollons Nervosität steigerte seinen Appetit. Er versteckte das Geld im Haus seiner Mutter. Dann bestellte er Essen. Innerhalb einer Stunde wurden zwei Pizzen in großen Kartons geliefert, jede mit etwas Zerbröseltem und mit geschmolzenem Käse überbacken.
Nachdem er drei riesige Stücke gegessen hatte, merkte er, dass er mehr bestellt hatte, als er essen konnte. Er schlief ein. Agnessa versteckte das Geld an verschiedenen Orten in der Wohnung. Sie war traurig, dass ihre Affäre mit Denis zu Ende gegangen war. Sie hatte sich an ihn gewöhnt. Sie erfuhr vom Tod ihres Geliebten aus den Fernsehnachrichten. Sie beschloss, über das Geld zu schweigen, aber ihre Affäre nicht zu leugnen. Und wenn das Geld schmutzig war, würde niemand danach suchen.
Georges lebte ohne Gewissen; das war sein Job, und Kämpfen gehörte für ihn zum Alltag. Er kam nach Hause, aß, trank, verbrachte seine Zeit mit Freunden und fuhr dann zu seiner Datscha, wo er wusste, wo er das Geld verstecken konnte. Äußerlich wurde alles geheim gehalten. Der Wachmann wurde in Dollar bezahlt, und der Umtausch in Rubel war für ihn Routine.
Die gesamte Cranberry-Region verfolgte die folgenden Ereignisse. Denis wurde wie ein Held beerdigt. Riesige Menschenmengen folgten dem Sarg durch die Pfützen schmelzenden Schnees. Und das Geld? Man spricht nicht schlecht über Tote. Mark Verevkin hat Bände über diesen Fall geschrieben, doch alles vergebens. Man kann nicht schlecht über einen beliebten Fernsehmoderator reden. Für die Menschen bleibt Denis eine leuchtende Figur der Landesgeschichte. Im Fernsehzentrum war Denis Turins Tod ein großes Ereignis. Journalisten aus aller Welt bekamen Überstunden und berichteten über sein Leben. Agnessa verfolgte die Nachrichtensendung entsetzt im Fernsehen. Hätte sie die Todesursache des Gastgebers nicht gekannt, hätte sie geglaubt, die Journalisten hätten ihn umgebracht. Es war, als hätten die Journalisten ihre Gedanken gelesen und Agnessa erreicht. Jemand hatte die Liebe zwischen Denis und Agnessa im Stadion bemerkt, oder man hatte sie gemeinsam in die Stadt einreisen sehen. Ein Journalist kam mit einem Filmteam zu ihr. Agnessa wurde für das ganze Land und die ganze Welt gefilmt. Sie wurde zu einer Ikone in Denis" Leben. Denis Turins letzte Liebe - das klingt beeindruckend!
Agnessas Popularität schoss über Nacht in die Höhe, und sie war in aller Munde. Sie hatte keine Zeit, über das versteckte Geld nachzudenken; sie genoss ihre Rolle als historische Figur und ließ sich bereitwillig fotografieren. Tatjana hielt sich im Hintergrund; sie liebte ihren verstorbenen Mann Denis aufrichtig und sprach nur schwer über ihn. Sie war wie in Trance; sie brauchte einen Psychiater, keine Journalisten. Sie war erschöpft.
Ilja Lwowitsch wusste, dass der erste Schlag mit ungeheurer Wucht auf seinen Kopf gewirkt hatte, aber er war mit einem weichen Gegenstand ausgeführt worden, ganz sicher nicht mit einem Schläger. Es konnte nicht seine Frau gewesen sein, die sich als Erste ihrem toten Mann genähert hatte. Er war ein starker Mann, ein sehr starker Mann.
Die Ermittlungen liefen, doch alle waren sich sicher, dass der Mord unaufklärbar sein würde, auch wenn es niemand aussprach. Eine Faust als Mordwaffe ist schwer zu finden: Sie wird nicht weggeworfen; man muss nach ihr und ihrem Besitzer suchen. Man kann den Besitzer einer Faust nicht für dumm halten; er wird dem Ermittler nicht weinend begegnen; so stark ist der Besitzer einer Faust.
Ein einfaches Mordmotiv war nötig. Doch alle hielten Denis für einen Heiligen; er war in keine Finanzbetrügereien verwickelt gewesen, und bei seinen beiden Frauen wurde kein Schmuck gefunden. Was konnten sie von einem einfachen Fernsehmoderator lernen? Auf den ersten Blick nichts. Bei genauerem Hinsehen könnte man meinen, der Mord sei ein Auftragsmord gewesen und mit seinem neuen Job, oder besser gesagt, seiner neuen Position, die er kaum angetreten hatte, in Verbindung gestanden.
So gut war Denis! Sie förderten seine sportliche Karriere, sein Universitätsstudium, seine Liebe zu seiner Familie. Denis war ein guter Mann. Die Ermittlungen wurden so geführt, dass nichts Unnötiges ans Licht kam. Die Leute begannen langsam, Denis Turin zu vergessen. Das Fernsehen forderte nach und nach das Geld zurück, das Agnessa zweimal für Werbespots gestohlen hatte, und sofort legte sich ein anhaltendes Schweigen um sie. Sie erinnerte sich wieder an Georges - diesen Feigling, der nie Geld ausgab! Sie suchte ihn unangekündigt auf, überschüttete ihn mit Liebe und versprach ihm eine Rolle in einem Musikvideo, wenn er ihr finanziell unter die Arme griff. Sie sagte, mit ihrem Anteil sei sie als Drehbuchautorin und Regisseurin cooler Musikvideos berühmt geworden, und nun würde sie ihn mit seinem Geld zu einem nationalen und internationalen Star machen.
Und Georges konnte nicht widerstehen. Die Werbespots umgaben sie wieder. Er hatte so lange vor allem Angst gehabt, dass er wie eine Rose aufblühte. Agnes nutzte all seine positiven Eigenschaften, um für seine Produkte zu werben, und vergaß dabei nicht, das Werbegeld einzutreiben, das Denis beim ersten Mal gestohlen hatte. Ha! Das Geld war weg. Georges wurde nicht mehr gebraucht. Die Werbeeinnahmen flossen Agnes zu, und die versteckten Schulden bei den Kunden waren getilgt. Sie hatte ihren Platz in der Werbekette eingenommen und war genau am richtigen Platz.
Apollon wurde ihre rechte Hand. Das passte Georges bestens. Als Geld aus einer dritten Quelle ins Spiel kam, entschied Ilja Lwowitsch, der Denis' Fall bearbeitete, dass sich die zweite Runde der Werbegelddiebe bezahlt gemacht hatte. Er hatte den Auftrag, die Kriminellen zu finden, und das tat er auch, aber er konnte den glanzvollen Namen des Landes - Denis Turin - nicht beschmutzen, also wurde alles diskret abgewickelt.
Ein Detektiv beobachtete Agnes zuerst beim Kauf eines teuren Autos und begann, den Fall mit Ach und Krach aufzuklären. Er gab Agnes die Gelegenheit, Werbespots zu drehen, und dann erpresste sie das Geld selbst von ihren Partnern. Sie wurden beobachtet, aber in Ruhe gelassen. Es ist klar, dass Denis von dem Schlag benommen war, aber er hätte überlebt. Er starb an den Folgen eines zweiten Schlags gegen eine Eisenstange, die aus dem Treppengeländer ragte. Die Stange durchbohrte seine Schläfe, als er stürzte. Georges war zwar nicht völlig unschuldig, aber die Ereigniskette um Denis' Sturz lässt sich nicht leugnen.
Ilja Lwowitsch ging in diesem weltberühmten Fall doppelt klug vor. Man ließ Georges' Leibwächter in Ruhe, da er zu der Zeit sehr wichtige Personen beschützte und es keine direkten oder indirekten Beweise gegen ihn gab.
Es war schwierig, einen Ersatz für diesen Grobian zu finden. Leute wie Georges dienten nach dem Angriff auf Denis ihren Vorgesetzten mit neuem Eifer und stillten ihren Rachedurst nicht an einer wichtigen, sondern an einer bekannten Persönlichkeit. Er wurde überwacht, aber nicht verhaftet. Ilja Lwowitsch erstattete Anzeige gegen die mutmaßlichen Diebe von Werbegeldern des Fernsehsenders, und anschließend wurde alles über den Dienstweg geregelt. Die Vorgesetzten waren froh, dass alles gut ausgegangen war. Denis hätte für den Diebstahl der großen Summe Geldes die Todesstrafe erhalten sollen, doch stattdessen wurde er selbst hingerichtet. Das Geld wurde zurückgegeben, und das Volk blieb als Held zurück.
Apollon kehrte nach Hause zurück und seufzte laut, während er sich wünschte, Agnessa würde ihn hören:
"Woher soll ich nur Geld nehmen? Wie schön war es doch, Geld zu haben!"
"Apollo, aber wir haben doch Geld", entgegnete Agnessa.
"Agnessa, welches Geld? Das ist mein Gehalt, nicht der Schatz eines anderen!"
"Ach, wie schön, wenn alles gut läuft!"
"Und wir werden zusammen in dieser kleinen Wohnung leben, so ehrliche Kerle!"
"Du bist so gutaussehend! Woran denkst du nur? Wozu brauchst du Geld?"
"Du hast wunderschöne Beine, ich liebe deine Beine ..."
Apollos Hände erkundeten Agnes' Beine, wanderten immer höher und höher und umspielten sie zärtlich. Sie schmiegte sich ganz an ihn, ihre Berührungen verstärkten sich, während sie sich mit der Welle der Liebe im riesigen Bett vereinten. Die sinnlichen Gefühle verblassten.
Es folgte eine Pause bis zum nächsten Liebesakt.
Agnes betrachtete gedankenverloren die kirschrote Kosmetikbox. Sie stand träge neben dem Computer und enthielt alles, was zwar nicht auf einem Schreibtisch, aber auf dem Gesicht einer Frau Platz findet.
Die Box - ein durchaus praktischer Gegenstand auf einem Frauenschreibtisch - war ein schöner Anblick, besonders da sie ein Geschenk von Apollo war. Er hatte sich für ein ruhiges Leben entschieden und bereicherte Agnes' Leben so gut er konnte. Außerdem wollte er sie nicht mit Kochen belasten und bestellte regelmäßig Essen. Das Leben sucht immer nach einem ruhigen Mittelweg zwischen zwei Menschen. Apollo spielte lieber mit Menschen am Computer; schließlich musste er jemanden befehligen, denn im wirklichen Leben war Agnes seine Befehlshaberin. Nachbarn platzten mit einer Bitte in das friedliche Leben des Paares:
"Gebt mir etwas Geld, was ihr entbehren könnt. Eine einsame alte Frau ist gestorben."
Sie nahmen aber nicht viel und gaben mir sogar das Wechselgeld. Kurz nach den Nachbarn kam ein Paket mit Essen. Nach der Pizza kam eine Nachbarin unter Tränen und erzählte, dass ihr Mann auf dem Weg zu seinen Kunden am Moskauer Bahnhof von Taxifahrern angegriffen und überfallen worden war. Die Nachbarin aß ein großes Stück der leckeren Pizza und ging.
Stille trat ein, dann die Frage:
"Apollo, sollen wir das Baby behalten?"
"Agnes, wir sind doch schon alt!"
"Zweite Lebensphase mit Elternschaft ..."
"Wie sollen wir leben? Du verdienst das Geld, und ich helfe nur mit ..."
"Wir kennen uns schon lange. Unser Leben ist leer. Lass uns ein Baby bekommen, ich habe das Geld."
"Welches Geld?"
"Wird dir das nicht langweilig, wenn ich antworte?" "Geld langweilt dich nie."
"Doch. Ich habe gespart, nichts ausgegeben und es dann wieder aufgebaut. Ich habe jede Menge Geld. Ist dir aufgefallen, dass ich keine Häuser oder Wohnungen gekauft habe? Bekommen wir ein Baby? Wir sind schon im dritten Monat."
"Na los! Warum hast du so lange geschwiegen?"
"Ich hatte Angst, er würde sich nicht zurückhalten."
Sechs Monate später stand eine Packung Feuchttücher neben dem Kosmetikkoffer. Sechs Monate später zog ein Kindermädchen ein. Agnessa ging arbeiten und drehte Werbespots. Eine moderne Frau. Und Apollo? Er war immer da, wenn nicht zu Hause, dann doch immer öfter. Eines Tages bemerkte das Kindermädchen, wo der Tresor stand und wo sie ihren Lohn abholte. Mit etwas Mühe knackte sie die Kombination. Zwei Tage später leerte sie den Tresor, wartete auf den Hausherrn, sagte ihm, sie müsse noch schnell einkaufen, während das Baby schlief, und verschwand für immer. Apollon saß glücklich mit seiner kleinen Tochter Angelina zusammen, bis Agnessa kam. Agnessa begriff sofort, warum das Kindermädchen fehlte, und blickte in den leeren Safe. Das Leben war über Nacht kompliziert geworden. Es war kein Geld mehr für Kindermädchen da. Zum ersten Mal überkam Agnessa ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Ihre Figur hatte sich nach der Geburt etwas verschlechtert, und die Arbeit fiel ihr schwer: Die Milch sickerte durch ihre Kleidung. Letzteres war besonders unglücklich.
Es war, als ob das Geld für Werbung geschrumpft und an andere gegangen wäre. Alles im Leben schien gegen sie zu sein. Apollon war noch nicht wütend, aber seine Stirn legte sich immer tiefer in Falten. Es gab viele Probleme mit seiner Tochter Angelina. Agnessa machte sich Vorwürfe, ein Kindermädchen eingestellt zu haben, wusste aber gleichzeitig, dass sie nicht anders hätte handeln können.
"Apollo, sollen wir das Auto verkaufen?"
"Agnessa, wir verkaufen dein Auto." Sie verstummte, als ihr klar wurde, dass die goldene Ära des Glücks vorbei war. Sie war nicht wütend, aber ihr Herz war leer. Agnessa Iwanowna stand mit ihrer kleinen Tochter Angelina mittellos da. Sie verkaufte ihr Auto und lebte äußerst sparsam. Apollon tauchte nie auf; er lebte bei seiner Mutter. Die Babymilchküche war ein Lebensretter: Wenn das Kind nicht alle Milchprodukte aß, backte sie daraus Fladenbrot. Sie ging nur selten einkaufen und kaufte nur das Nötigste.
Angelina entwickelte sich zu einem ruhigen Mädchen; sie krabbelte bereits auf dem Boden, dann begann sie aufzustehen und zu laufen, wobei sie sich an Gegenständen festhielt. Agnessa hing sehr an ihrem Kind. Bald setzte sie ihre Tochter auf die Warteliste einer Kinderkrippe. Die Leiterin bot an, das Kind früher aufzunehmen, wenn Agnessa als Kindermädchen in der Krippe arbeiten würde.
Agnessa arbeitete in der Krippe, und ihre Tochter war in der Nähe. Ihre Figur verbesserte sich; sie musste sich so oft mit den Kindern bücken, und ohne Fitnessstudio war sie schlank geworden. Ihre Tochter benahm sich in der Kita gut, weil ihre Mutter in der Nähe war. In der Nähe des Kindergartens bemerkte Agnessa Apollons Auto. Er wartete dort. Agnessa ging auf den Vater ihrer Tochter zu. Er hatte sich kaum verändert.
"Agnes, es tut mir so leid! Nimm mich mit. Ich fühle mich so schlecht ohne dich."
"Nimm mich mit", sagte sie und stieg mit ihrer Tochter in sein Auto. Apollon hatte drei Einkaufstüten mitgebracht, die sie einfach vergessen hatte. Ihre Tochter hüpfte auf seinem Schoß herum, klammerte sich an seinen Hals, und beide waren glücklich. Agnes bereitete das Abendessen mit frischem Gemüse zu, nicht mit den Essensresten des Babys, und seufzte gelassen: Ihr kam eine Idee für ein neues Szenario. Alles ist so einfach, wenn es nach schweren Zeiten wieder gut läuft, und umso mehr, weil die Familie zusammen ist. Agnes atmete erleichtert auf: Apollon war zu Hause, Angelina war groß geworden, jemand von der Arbeit hatte angerufen, ihr gratuliert und angedeutet, dass man auf sie wartete. Sie hatte die schwierigste Zeit überstanden, die die Belastbarkeit einer Frau auf die Probe gestellt hatte! Am 8. März herrscht reger Andrang: Bekannte kommen, Verwandte erinnern sich an sie, schauen kurz vorbei, gratulieren ihr, trinken eine Tasse Tee und gehen wieder. Doch die Besuche wirken beruhigend auf ihre Seele. "Agnes, ich habe Neuigkeiten für dich", sagte Apollon. "Siehst du, ich bin gar nicht so faul, und die Arbeit mit dir hat mir etwas beigebracht. Ich habe genug verdient, damit du dir ein Auto kaufen kannst ..."
"Apollo, vielleicht reicht uns das Auto erst mal? Ich habe Angst zu fahren. Ich habe Angst um mich und meine Tochter. Wir renovieren die Wohnung und meine Kleidung, und alles andere später." Fünf Jahre waren seit Denis Turins Tod vergangen. Man drehte eine neue Fernsehsendung über ihn und trug unbekannte Fakten aus seiner Biografie zusammen. Ilja Lwowitsch wusste viel, aber es war ihm verboten, seine Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben.
Die Fernsehkamera spielte Aktenmaterial über den Mord an dem Fernsehhelden ab. Immer wieder wurden Aufnahmen aus Denis" Leben gezeigt. Agnes starrte gebannt auf den Fernseher. Plötzlich kam ihr der Gedanke, dass sie gar nicht wusste, wie viel Denis alles besaß. "Er muss entweder Geld oder Schmuck gehabt haben", dachte sie. Sie spürte, dass es Zeit war, zum geliebten Stadion zu fahren, denn dort konnte sie neue Inspiration finden.
"Apollo, gib mir das Auto! Ich fahre mal allein durch die Stadt."
"Okay, aber fahr nicht zu schnell! Vorsichtig und nicht auf den Hauptstraßen." Hinter dem Steuer fühlte sich Agnessa wieder wie ein Mensch. Sie hatte nicht die Wahrheit gesagt, als sie behauptete, kein Auto zu wollen. Sie wollte es wirklich. Aber nicht jetzt. Am Stadion hielt sie dort an, wo Denis" Auto während ihrer ersten Liebe geparkt gewesen war. Vom Fahrersitz aus betrachtete sie die Umgebung. Die Eiche, die außerhalb des Spielfelds wuchs, wirkte interessant. Die Eiche mit dem Höhlungsort entpuppte sich als wahre Schönheit.
Agnessa ging um sie herum. An einer Stelle war "Agnessa" mit einem Messer in den Baumstamm geritzt, an einer anderen "Denis". Die Inschriften waren kaum lesbar, aber immerhin noch erkennbar. Agnessa wurde ungemein neugierig. Sie wollte ihrem Mann nachgehen und ihn in die Suche einbeziehen. Gesagt, getan: Sie rannte förmlich zum Auto, setzte sich ans Steuer und fuhr nach Hause.