Бочарник
Augen part 1

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    Shepard fliegt nach Eden Prime. Er bereitet das Schiff und seine Normandy-Besatzung vor. Er streitet mit Spectre Nihlus.



Kapitel 1.1 Systems Alliance VKS Captain John Shepard

   "John, danke", sagte das M"dchen und "ffnete die Augen. Ihr leicht verschlafener Blick streifte das Gesicht des jungen Mannes, der neben ihr lag. "Du bist ein Zauberer. Gut, dass ich es geschafft habe, zu dir zu kommen. Bist du angespannt?"
   "Ja, Dana", sagte Shepard. "Ich habe das Gef"hl, dass ich so schnell nicht zur Erde zur"ckkehren werde."
   "Aber du...", sagte das M"dchen, st"tzte sich auf die Ellbogen und blickte sich in dem halbdunklen Zimmer um - es war fr"h am Morgen, und die Morgensonne brach nur m"hsam durch die schweren Vorh"nge.
   "Genau. Ich wurde in Reserve gehalten, und jetzt habe ich das Gef"hl, dass der Auftrag heute oder morgen eintreffen wird", best"tigte John.
   "Dann ist es ja umso besser, dass ich es noch zu dir geschafft habe, bevor du weggeschickt wurdest ... weit, weit weg. Meinst du?"
   "Ja. Wir, die Spezialeinheiten, werden normalerweise nicht regul"ren Schiffen zugeteilt... Es wird also etwas Kompliziertes und Problematisches geben." - Der junge Mann legte seinen Arm um die Schultern des M"dchens. - "Day, keine Panik, ich bin immer noch neben dir und der Kurier von der Zentrale ist noch nicht da und klopft auch nicht an die T"r."
   "John, es ist schon eine ganze Weile her... seit..."
   "Beende den Satz, Dana, beende den Satz", - sagte Shepard leise. - "Ich habe mich diesbez"glich bereits beruhigt."
   "Wenn du das so willst, Johnny, dann... sind sechs Jahre vergangen, sogar noch etwas mehr, seit du von der Akuza zur"ckgekehrt bist...", - sagte das M"dchen sch"chtern und streichelte mit ihrem Blick "ber das Gesicht des jungen Mannes. "John, du warst all die Jahre gewiss nicht unt"tig, kaum aus dem Krankenhaus entlassen, aber..."
   "Dana... Ich m"chte fliegen, und nicht nur auf dem Planeten sitzen und Polygon f"r Polygon ver"ndern." - sagte der Kapit"n, warf die Decke zur"ck und setzte sich im Bett auf. Dana dr"ckte sich sofort an seinen R"cken, legte ihre Arme um seine Schultern und schnaubte leise in sein rechtes Ohr - das war ihr besonderes Zeichen der Zuneigung. "F"r mich ist das Trainingsgel"nde gut, aber nicht ausreichend. Und... wenn ich mich nicht irre, haben die h"heren M"chte f"r mich... eine ernsthafte Pr"fung vorbereitet."
   "Bist du nicht zu viel..."
   "Nein, Day. Nein." - Shepard sch"ttelte den Kopf, zog seine Jogginghose an und stand auf. - "Vielen Dank. Wir hatten einen wundersch"nen Abend."
   "Wunderbar, Johnny. Da stimme ich zu." - Dana drehte sich auf die andere Seite, setzte sich im Bett auf, tastete blind nach ihrem Morgenmantel, stand auf und warf ihn sich gleichzeitig "ber ihren heißen K"rper. - "Vielen Dank auch!" - Sie ging auf die Badezimmert"r zu, ihre nackten F"ße klatschten auf die Plastikfliesen. - "Johnny, treib dich nicht in der Komb"se herum, ich werde alles vorbereiten."
   "Dana...", sagte Shepard leicht vorwurfsvoll, drehte sich um und sah, wie das M"dchen hinter der Badezimmert"r verschwand.
   "Ich weiß, ich weiß, aber versuch's trotzdem," - kam es von hinter der T"r.
   Shepard grinste zufrieden. Dana war in ihrem Element. Sie wusste genau, dass er sie nicht in der Komb"se - der kleinen K"chenzeile in der Junggesellenwohnung des MSk-Kapit"ns - herumexperimentieren lassen w"rde und pers"nlich das Fr"hst"ck zubereiten w"rde.
   Fr"hes Fr"hst"ck. Heute war sein freier Tag, es waren keine Trainingseinheiten geplant, seine dienstlichen Aufgaben waren vollst"ndig erledigt und er konnte sich heute ganz dem Wochenendmodus widmen.
  
   Dana warf ihren Bademantel ab, stieg auf die emaillierte Duschwanne, knallte die T"r hinter sich zu und drehte gleichzeitig das Wasser auf. Sie war zufrieden - John hatte ihr eine weitere zauberhafte Nacht beschert und sie hatten mehrere sehr angenehme Stunden miteinander verbracht. Sie unterhielten sich, schwiegen, umarmten sich, k"ssten sich. F"r sie war John ihre erste Liebe. F"r ihn wurde sie auch seine erste Liebe. Seitdem sie beide das Waisenhaus verlassen haben, pflegen sie eine enge Beziehung.
   Unter den Wasserstrahlen, deren St"rke und Temperatur sich rhythmisch ver"nderten, summte Dana eine einfache Melodie, wobei sie ihren R"cken und ihre Brust den Spr"hnebeln aussetzte, und wusste, dass John sie singen h"ren konnte. Er h"rt es und freut sich - sie kannte ihn in- und auswendig. Das Besondere an einem Waisenhaus ist, dass es dort auf keine andere Weise zu "berleben gibt.
  
   John ging in die K"che, schaltete den Herd an und holte Beh"lter mit Halbfertigprodukten aus den Schr"nken. In wenigen Minuten ist ein herzhaftes Fr"hst"ck zum Aufw"rmen bereit. Es war ein leises Zischen zu h"ren - weder er noch Dana mochten besonders Frittiertes. Nur leicht anbraten, sodass es braun wird. Shepard nahm die Bratpfanne vom Herd, stellte sie auf einen St"nder, entfernte den Topflappen und blickte auf den kochenden Wasserkocher, der sein Lied sang. Ich "ffnete eine Packung Tee - genau die Sorte, die Dana mochte. Ich habe die Teebl"tter in eine Tasse gegeben und zwei St"ck Zucker hinzugef"gt - meine Freundin ist zwar keine Naschkatze, aber ein bisschen S"ße in ihrem Lieblingsgetr"nk st"rte sie nicht. In dieser Hinsicht stimmten ihre Vorlieben "berein - John trank in aller Ruhe die Teesorte, die sie mochte, und Dana hatte nichts dagegen, bei ihren seltenen Treffen Tee von der Sorte zu trinken, die er bevorzugte.
   Nachdem Shepard gebratene Kartoffeln mit Fleischst"cken auf Tellern angerichtet hatte, durchw"hlte er den kleinen K"hlschrank, holte Butter und Brot heraus und machte Sandwiches. D"nn geschnittenes Brot - damit es nicht auseinanderbricht, aber auch nicht wie "riesige St"cke" aussieht, in die man nur schwer hineinbeißen kann, wie Dana es ausdr"ckt. Eine d"nne Schicht Butter aus dem Fach neben dem Gefrierschrank - direkt mit einem scharfen Messer von einem in Plastikfolie eingewickelten St"ck abschneiden. Mit w"rzigem K"se oder Wurst garnieren. Fettarm, unger"uchert, mit Milchprodukten oder manchmal cremig. Aus dem Schrank holte der Kapit"n einen Korb mit Keksen und Zitronen-Minz-Bonbons - Dana liebte beides, er kannte ihren Geschmack gut und vermutete, dass sie auch seine Vorlieben kannte. Wenn sie kochte, war er ruhig, denn Dana konnte seine Stimmungslage genau und vollst"ndig erfassen und irrte sich nie darin, was aus der eher d"rftigen Liste seiner kulinarischen Vorlieben auf den Tisch kommen sollte, um John gl"cklich zu machen.
  
   Das Glucksen und Platschen des Wassers wich dem Summen eines Haartrockners - Dana trocknete sich zuerst die Haare, nur ein wenig, sodass sie kaum noch feucht waren. Sie mochte es nicht, sie auszutrocknen. Sie versuchte immer, es zu k"mmen. Sie mochte schlichte Frisuren. Aufgrund ihrer Sportlerkarriere war Modeln keine Option, obwohl Dana bei einigen Veranstaltungen mit einem Model-Haarschnitt auftrat. Shepard war zufrieden und sie wusste, dass er sie bedingungslos akzeptieren w"rde. Im Waisenhaus ließ das Leben keinen Raum f"r Exzesse, und Dana besuchte ab dem siebten Lebensjahr Sportschulen und reiste st"ndig zu Trainingslagern, "bungseinheiten und Wettk"mpfen. Routine, Einschr"nkungen, Pr"zision, Klarheit - f"r sie war das so selbstverst"ndlich wie das Atmen von Luft.
  
   "Du hast das Fr"hst"ck bereits vorbereitet." - Das M"dchen erschien in der T"rschwelle des Badezimmers, bekleidet mit einem T-Shirt und einer Jogginghose. Danas Flip-Flops waren offen, und sie k"mmerte sich nie um eine Pedik"re, aber sie respektierte ihre Manik"re so gut es die Anforderungen des Sportkodex erlaubten.
   Sie blieb am Tisch stehen, umarmte Shepard, der auf sie zugekommen war, dr"ckte sich an ihn, k"sste ihn auf die Wange und erstarrte.
   "Danke, Johnny. Du bist meine Freude."
   Der Kapit"n nickte, umarmte sie, dr"ckte sie an sich, hob sie hoch, f"hrte sie n"her an den leeren Stuhl heran, setzte sie hin und f"hrte sie zum Tisch.
   Dana nickte - ihr gefiel die Darbietung, und sie war sowohl mit dem Aussehen der Gerichte als auch mit dem Duft rundum zufrieden.
   "John, setz dich. Lass uns fr"hst"cken. Was sind Ihre Pl"ne f"r heute?"
   "Ich bin frei, Dana."
   "Ich habe auch keine dringenden Angelegenheiten. Und?" - Das M"dchen blickte Shepard fragend an.
   "Ich w"rde vorschlagen, Day, dass wir den heutigen Tag zusammen verbringen... Nun ja..." Er warf einen Seitenblick zum Bett.
   "Kein Problem, John", - nickte Dana und begann zu essen. - "Kein Problem", - sagte sie und kaute eine Portion Kartoffeln. - "K"stlich. Danke, Johnny."
   "Freut mich, dass es dir geschmeckt hat." - Shepard bewaffnete sich außerdem mit Messer und Gabel und begann, die Kartoffeln zu verschlingen und Fleischst"cke aufzuspießen. - "Ich habe Tee in kleine Tassen eingeschenkt. Oder..."
   "Große brauchst du nicht, Johnny", - kicherte Dana und sch"ttelte leicht den Kopf, wodurch ihr Pferdeschwanz um ihre Schultern peitschte. - "Heute - nicht n"tig."
   "Okay", - nickte der Kapit"n.
  
   Nach dem Fr"hst"ck ging Dana auf den Balkon, wo sie gew"hnlich morgens eine Viertelstunde in v"lliger Stille verbrachte. Shepard wusste nicht, ob es Meditation war oder die Angewohnheit seiner Freundin. Er hatte kein Interesse daran, sich mit den Details auseinanderzusetzen - vielleicht hatte Dana ihre eigenen Gr"nde, die Dinge so und nicht anders zu tun - lass sie es tun. Durch das Glas sah er, wie sich das M"dchen in einen Korbstuhl setzte und, nachdem sie eine freie, entspannte Haltung eingenommen hatte, erstarrte. Sie hat wahrscheinlich die Augen geschlossen.
   W"hrend sie "meditierte", r"umte Shepard den Tisch ab, wusch die Teller und Tassen und stellte sie zum Trocknen hin. Er sah Dana nicht an - er respektierte ihr Recht auf einen stillen "R"ckzug aus der Welt". Sie wird von selbst kommen, wann immer sie es w"nscht.
  
   "Du hattest ein bisschen Stress, Johnny."- , Dana schnurrte, als sie sich aufs Bett legten und sich wieder eng umschlungen umarmten. - "Vielleicht..."
   "Das ist wohl nur dir zu verdanken, Day", - sagte Shepard leise.
   "Danke, John." - Dana stupste Shepards Nase mit der Nase an und k"sste ihn auf die Lippen. -"Ich bin gl"cklich und zufrieden."
   "Ich auch", erwiderte der Kapit"n den Kuss und dr"ckte das M"dchen fester an sich. - "Wir werden faulenzen..."
   "Ja. Bis wir es satt haben. Und wir werden es so schnell nicht satt haben", - erkl"rte Dana.
   Und es stimmte absolut. Sie lagen auf dem großen Doppelbett und vergaßen v"llig alles um sich herum. Außer einander.

Kapitel 1.2 Flug zum milit"rischen Weltraumbahnhof.

   Es klingelte an der T"r und sie waren v"llig "berrascht. An Danas ver"ndertem Gesichtsausdruck erkannte Shepard, dass sie sich bereits auf das Schlimmste vorbereitet hatte, was nun passieren k"nnte - den Besuch eines Kuriers vom Hauptquartier.
  
   Der Kapit"n stand wortlos auf, zog sich Unterw"sche, T-Shirt und Jogginghose an, schl"pfte in seine Hausschuhe, ging zur T"r und "ffnete sie. Ein Kurierfeldwebel stand an der Schwelle.
   "Captain Shepard. Hier ist ein Paket f"r Sie", - sagte der Sergeant, erkannte den Offizier, reichte ihm den Umschlag, wartete, bis der Wohnungsbesitzer das Formular unterschrieben hatte, salutierte, drehte sich um und eilte die Treppe hinunter, den Aufzug ignorierend.
   John schloss die T"r, "ffnete das Paket und nahm eine gefaltete Plastikfolie heraus. Ein Gefechtsbefehl. Kein gew"hnlicher, sondern ein Gefechtsbefehl. Klar - und unklar. Erscheine dort zu der und der Uhrzeit. Oder genauer gesagt, um im Divisionshauptquartier auf der Arcturus-Station anzukommen. Um genau 2300 Uhr heute. Standardzeit.
   "Eine Herausforderung?", - fragte Dana leise, als sie sich von hinten n"herte. - "Darf ich?" - Sie griff nach der offenen Plastikplane. - "Eine Herausforderung. Das wusste ich." Die Stimme des M"dchens klang bitter. - "Ich bringe dich dorthin."
   Statt zu antworten, wandte sich Shepard ihr zu, umarmte sie und k"sste sie auf die Stirn. Sie dr"ckte sich vertrauensvoll an ihn und umarmte ihn:
   "So sind unsere freien Tage zu Ende gegangen", - sagte sie leise. - "F"r eine lange Zeit ... sind sie vorbei."
   Shepard nickte nicht, sondern dr"ckte das M"dchen nur etwas fester an sich und k"sste ihren Scheitel. Er wusste, dass sie diesen Kuss jetzt brauchte und dass er ihr wichtiger war als alle Worte. Und er hatte sich nicht geirrt - Dana, die geschnieft hatte, hob den Kopf und sah ihn mit einem z"rtlichen und fragenden Blick an:
   "John... Komm zur"ck... zu mir. Ich... werde warten. Und schreib mir... bitte ich dich."
   Shepard nickte stumm, da ihm klar war, dass Dane nichts, was er jetzt laut aussprechen w"rde, richtig verstehen w"rde. Nur dieses Nicken. Sie verstand es wie keine andere, es auf einer sehr tiefen Ebene zu deuten. Zufrieden mit Johns Reaktion l"ste Dana ihre Umarmung und trat zur"ck. Sie drehte sich um und ging in die K"che. Unverbesserlich - jetzt kocht sie einen ganzen Sack voll Essen. Und es hat keinen Sinn, sie aufzuhalten. John hatte bereits mehrfach Gelegenheit, sich dies selbst anzusehen. Nein, wenn er die Tasche nicht nimmt, wird sie nicht beleidigt sein. Sie wird sich nur verschließen, und f"r ihn ist eine verschlossene Dana inakzeptabel, und er wird alles tun, um sie dazu zu bringen, sich zu "ffnen und offen zu werden. Sie weiß davon.
  
   W"hrend Shepard den Notfallkoffer zusammenstellte, "berpr"fte er methodisch die Liste, die Verfallsdaten und die Unversehrtheit der Verpackungen. Der Kampfbefehl erforderte dieses Vorgehen. Man weiß nie, wohin man von der Arcturus-Station aus gelangen muss.
   Von dieser Station aus, wo sich die Regierungsgeb"ude und das Hauptquartier der Luft- und Raumfahrtstreitkr"fte der Allianz der Systeme befanden, konnten Schiffe in so gottverlassene Winkel der Galaxis aufbrechen, dass... sie eine schnelle R"ckkehr f"r lange Zeit vergessen mussten. Der vorgepackte Koffer - und auch Shepard hatte einen in seiner Junggesellenwohnung - w"re also praktisch gewesen, wenn die Frage nach einem Flug nach Arcturus nicht aufgekommen w"re.
   Nachdem Shepard den Koffer gepackt hatte, stellte er ihn neben die T"r. Er "ffnete die Kleiderschrankt"ren und zog seine Uniform an. Die Standarduniform eines Offiziers der Spezialeinheiten der Luft- und Raumfahrtstreitkr"fte der Allianz. Nein, er hat das "En-Seven"-Schild nicht an der daf"r vorgesehenen Stelle angebracht - das war nicht n"tig. Diejenigen, die es wissen m"ssen, kennen seinen Qualifikationsgrad, der Rest muss es jetzt nicht wissen.
   Auch Dana hatte sich fertig gemacht. Ein schlichtes, einfarbiges Kleid, eine kleine Handtasche. Eine Sportkarriere lehrt einen, organisiert zu sein - das M"dchen machte sich schnell fertig und verschwendete keine Zeit mit einer aufwendigen Make-up-Routine. Dana hat nur noch ein paar Kleinigkeiten ausgebessert. Shepard konnte die Anspannung und Aufregung in den Augen seines Freundes leicht ablesen.
   "Ein milit"rischer Weltraumbahnhof?", fragte sie, beugte sich vor und r"ckte den etwas schief sitzenden Riemen ihres Schuhs zurecht.
   "Ja ", Shepard schloss das Instrumentenbrett, "der Flieger wartet schon."
   Dana richtete sich auf, nickte, nahm ihre Handtasche und fasste John am Ellbogen.
  
   Sie traten aus dem Eingang. Herbst. Warm, ein wenig regnerisch. F"r den Abend war Regen vorhergesagt worden, doch nun begann sich der Himmel zu verdunkeln, was die Vorhersagen der Wettervorhersager best"tigte.
   Nachdem Shepard es sich in der Kabine des gemieteten Fluges bequem gemacht hatte, umarmte er Dana und gab durch Dr"cken des Sensors auf dem Bedienfeld dem Wagen die M"glichkeit, seiner Route zu folgen. Nat"rlich h"tte er selbst die Steuerung "bernehmen k"nnen - sein Status erlaubte es ihm, solche Maschinen im manuellen Modus zu steuern, aber Dana war zu angespannt und er wollte sie nicht aus seiner Umarmung lassen. Es ist noch ungewiss, wann er zu ihr zur"ckkehren kann, deshalb sollte Dana so lange wie m"glich bei ihm bleiben.
   Shepard umarmte das M"dchen und blickte auf die w"rfelf"rmigen H"user, die weit unten schwebten, und auf die Menschen, die wie kleine Insekten aussahen und durch die Straßen und Gassen huschten. Chester, eine kleine Stadt am Fluss Dee, wurde innerhalb weniger Minuten weit zur"ckgelassen. Die britische Gr"ßenordnung ist sicherlich beachtlich, aber im Vergleich zu anderen L"ndern... ist sie eher durchschnittlich.
   Dana schwieg. In solchen Momenten schwieg sie immer, da sie in sich ein Gef"hl der Dringlichkeit und Unsicherheit versp"rte. F"r sie war John vertraut und wertvoll, sie wollte ihn nicht l"nger beunruhigen. Sie bleibt hier, sie hat eine Reihe von Trainingseinheiten vor sich, zwei Trainingslager und die n"chsten regionalen Wettk"mpfe... aber was macht es jetzt noch f"r einen Unterschied, wie lange es dauert! Und er... Was erwartet John? Kann man das im Voraus sagen?!... Also versuchte sie es gar nicht erst. Sie wartete auf seine R"ckkehr von Akuza, besuchte ihn im Krankenhaus und danach trafen sie sich regelm"ßig, nachdem er zur Reserve des Kommandos der Luft- und Raumfahrtstreitkr"fte der Allianz versetzt worden war. Spezialisten wie John werden immer in Reserve gehalten... Manchmal hielten sie sie lange fest, manchmal nicht so lange. Sie war froh, dass John hier war, dass er ihr nahe war, auf Erden.
   Ja, er wurde auf der ganzen Welt herumgeschickt - im Rahmen von Milit"reins"tzen und allem Drum und Dran. Dana war jedoch froh, dass John den Atmosph"renschutz kaum verließ. Er hatte sie bisher nicht oft verlassen. Und nun ... nun, wie sie ganz deutlich sp"rte, stand ihr eine lange Trennung bevor. Ein Shuttle wartet auf John, und dort... befindet sich "Arcturus", die Regierungsstation der Systems Alliance. Es ist nicht so einfach, dorthin zu gelangen, aber Johns Status erlaubt es ihm, ruhig und ungehindert dorthin zu fliegen. Wenn n"tig, nat"rlich. John fliegt nicht einfach so irgendwohin - nur wenn es erforderlich ist und ein Befehl dazu vorliegt.
   Seufzend legte das M"dchen ihren Kopf auf Johns Schulter. Die T"rme des britischen Milit"rraumhafens ragten bereits vor uns auf. Eine nummerierte Anlage mit beschr"nktem Zugang. F"r diejenigen, die sie verabschieden, ist dort jedoch alles wie auf einem zivilen Weltraumbahnhof.
   Sie wird sehr lange zusehen m"ssen, wie John in Richtung des Tunnels geht, der zur Shuttlehalle f"hrt. Das ist das Letzte, was sie gesehen hat, als er mit einem Notruf zum Akusa geflogen ist... Anschließend kehrte er mit einem Krankentransport von dort zur"ck und wurde umgehend Langzeitpatient in einem Milit"rkrankenhaus.
   Wie sehr sie sich damals um ihn sorgte! Schließlich war er... der Einzige, der von mehreren Dutzend Soldaten der Spezialeinheiten noch am Leben war. Diese W"rmer... Drescher... Dana wusste wenig "ber das, was dort geschehen war, außer den Informationen, die ihr von den Nachrichtenagenturen der Erde zugespielt wurden. In den Nachrichten wurde "ber die Ereignisse, an denen John teilnahm, auf unterschiedliche Weise berichtet. Und Shepard selbst... Er hat sie nie mit Geschichten "ber die Geschehnisse auf Akuza belastet. Er hat es versteckt, offenbar wollte er sich keine Sorgen machen. Sie war ihm daf"r dankbar, obwohl sie verstand, dass er dort eine sehr schwere Zeit durchmachte.
   Und nun ist es auch f"r ihn nicht einfach. Dieser Befehl ist unverst"ndlich. Unverst"ndliche Form. Ein Kampfbefehl?! "berall herrscht Frieden, die Menschheit f"hrt keinen Krieg mit irgendjemandem außerhalb des Sonnensystems - und dann pl"tzlich das. John ist nat"rlich ein besonderer Mensch, ein N-Seven, ein Soldat der Spezialeinheiten. F"r sie m"gen solche Befehle allt"glich sein, f"r sie hingegen sind sie nat"rlich eine Quelle der Aufregung und akuter Angst. Und jetzt f"hlt es sich f"r sie st"ndig an, buchst"blich jede Sekunde, als w"rde sie John treffen ... sehr bald nicht mehr.
  
   Als sie aus dem Flyer am Passagierterminal der Abflugzone ausgeladen wurde, sah sie sich um: Es hat sich hier wenig ge"ndert. Nat"rlich war das Kosmodrom milit"risch, daher wurden hier keine Sonderrechte gew"hrt, aber, wie sie angenommen hatte, gab es keine unerkl"rlichen Einschr"nkungen f"r diejenigen, die sie verabschiedeten.
  
   Shepard richtete seine Uniform, dr"ckte ein paar Sensoren an seinem Handgelenksger"t, gab das Auto frei, schnappte sich den Notfallkoffer und die Tasche mit den Vorr"ten und sah dann das angespannte M"dchen an.
   "Day?", fragte er leise, als er sah, wie sie sich weiterhin umsah. Shepard wusste, dass sie neugierig war und sah nichts Verwerfliches daran, sondern betrachtete es als normale Charaktereigenschaft, aber jetzt war klar, dass Dana Zeit gewinnen wollte.
   "Ich... ich werde mich erst einmal daran sattsehen, John", fuhr sie fort und blickte sich um. Zum Gl"ck gab es hier viel zu sehen - von hier aus hatte man einen wunderbaren Blick auf die Startrampen.
   Shuttles und Raumschiffe starteten, landeten, schwebten, Menschen flogen hinein, flogen hinaus und arbeiteten in den daf"r vorgesehenen Sicherheitszonen der Lande- und Startfelder.
   "Kaum Ver"nderung. Sehr wenig." Sie sch"ttelte den Kopf, wodurch ihr loses Haar in einer dichten, schwarzen Welle ihre Schultern bedeckte. "Los geht's." Sie sagte entschieden und griff nach ihrer Handtasche.

Kapitel 1.3 Johns und Danas Betrachtungen "ber Vergangenheit und Zukunft.

   Am Check-in-Schalter "berreichte Shepard den Befehl dem schneidigen Sergeant Major der Alliance Aerospace Forces. Nach einer kurzen "berpr"fung nickte er, gab dem Offizier das Bestellformular zur"ck und stellte einen Boardingbefehl aus - ein kleines Blatt dickes, graues Plastikpapier. Dana las "ber Shepards Schulter die Nummer und den Code f"r das Boarding-Terminal, sah sich um, suchte sich das richtige aus, beeilte sich aber nicht, den Schalter zu verlassen.
   Shepard verstand ihre Zur"ckhaltung, sich zu beeilen, und steuerte entschlossen auf die Sitzreihen im Wartebereich zu.
  
   "John." - Dana blickte ihren Begleiter sanft, aber fordernd an. - "Ich f"hle mich unwohl... Bitte... Denk daran, dass ich auf dich warte... Lebendig. Der Rest ist unwichtig. Ich werde dich akzeptieren, egal wer du bist. Hauptsache, du kommst zur"ck. Komm lebend zur"ck... Bitte." - Sie bem"hte sich nicht darum, dass er sie umarmte und an sich dr"ckte.
   So war sie schon immer - unabh"ngig und gleichzeitig verletzlich. F"r John. F"r andere - stark und solide. Nur wenige kannten Dana so gut wie John.
   Shepard hielt inne, dann nickte er langsam, sehr langsam, damit sie sich daran erinnern w"rde. Er verstand, dass sie das Nicken so auffassen w"rde, wie es sich geh"rt. Wortlos. Worte spielen in ihrer Kommunikation, in ihrer Beziehung, schon seit langer Zeit keine große Rolle mehr. Dana verstand ihn ohne Worte, er verstand Dana ohne Worte.
   Mehrere Minuten lang standen sie sich gegen"ber neben den "B"ndern" leerer, halbweicher St"hle. Die Angestellten des Kosmodroms, die an Abschiedsszenen gew"hnt waren, gingen vorbei, ohne anzuhalten, ohne den jungen Mann und die junge Frau anzusehen.
  
   Ein kurzes melodisches Signal ert"nte, dann verk"ndete eine synthetische, angenehme Frauenstimme deutlich die Ankunft eines Passagierbusses am in den Abreisepapieren angegebenen Ausgang.
   Ein Versorgungsschiff, ein kleines milit"risches Passagierraumschiff, das regelm"ßig Fl"ge von der Arcturus-Station in die Erdumlaufbahn durchf"hrte, erreichte die Erdumlaufbahn.
  
   "Er ist da", seufzte Dana und hob langsam ihre Tasche auf. Shepard hob seinen Aktenkoffer und seine Tasche vom Boden auf, drehte sich langsam um und ging zum richtigen Eingangsterminal.
   Den Begleitern wurde das Weitergehen verweigert, und nachdem er dem diensthabenden Leutnant am Terminal Dokumente und einen Befehl vorgelegt hatte, wandte er sich an Dana.
   Der "Junior" starrte auf den Bildschirm seiner Konsole - er verstand, dass der Offizier sich hier von seiner Begleiterin verabschieden musste, da ihr der weitere Weg versperrt war.
  
   "Dana... Danke." - John umarmte das M"dchen, und sie klammerte sich an ihn und verbarg ihren Drang zu weinen. - "Ich... ich komme wieder. Du schreibst... ich werde dir schreiben," - versprach John. - "Sobald ich die Gelegenheit dazu habe, werde ich auf jeden Fall schreiben." - Er dr"ckte sie sanft an sich, und sie umarmte ihn fester.
   Stark. K"rperlich und geistig stark und unversehrt. Ein wahrer Freund f"r ihn, ein Krieger und ein Offizier. Sie weiß nicht, wie man sich "ber Kleinigkeiten beschwert, und kennt Disziplin und Ordnung aus eigener, reicher Erfahrung. Und gleichzeitig ist sie in der Lage, sich ihm zu "ffnen, z"rtlich und verletzlich zu wirken. Sie vertraute ihm immer wieder ihr ganzes Wesen an.
   "Johnny..." - Dana nannte ihn so, wie sie nur ihn nannte. Mit der gleichen Intonation, mit dem gleichen Klang wie beim ersten Mal... - "Komm zur"ck... lebend. Ich... ich warte auf dich und ich... liebe dich. Komm zur"ck." - Sie blickte zu ihm auf, ließ ihn mit den Fingern die Tr"nen wegwischen, die sich in ihren Augenwinkeln gebildet hatten, und trat zur"ck, als sie erkannte, dass keine Zeit mehr blieb. - "Komm lebend zur"ck... Ich flehe dich an..." - Ihre Finger spielten nerv"s mit dem Henkel ihrer Handtasche.
   "Ich liebe dich, Dana", sagte Shepard, nahm den Aktenkoffer und die Tasche, drehte sich zu den sich "ffnenden Einstiegst"ren um und trat "ber die Schwelle. Er war nicht besonders gut im Abschiednehmen, vor allem nicht von Dana.
  
   In der Kabine des Shuttles nickte er den anderen Offizieren, Sergeanten und Unteroffizieren zu - Protokoll und Ritual, da gab es kein Entrinnen.
   Jenseits der Schwelle des Landungsbogens setzte sich das zivile und nun friedliche Leben fort. Dort blieb Dana stehen und beobachtete ihn, bis er auf das Laufband trat, das ihn zu den Ausgangstunneln hinunter zu den Shuttles brachte. Er sp"rte ihren Blick - intensiv, liebevoll, z"rtlich, einladend.
  
   Viele Menschen w"rden eine solche Beziehung als seltsam und inakzeptabel betrachten. Viele. Shepard wusste, dass die erste Liebe nicht immer "ber platonische Beziehungen hinausging und nicht immer dazu f"hrte, dass man eine Familie gr"ndete und gemeinsam die gew"nschten Kinder bekam. F"r ihn und Dana, die in einem Waisenhaus aufgewachsen waren, war jedoch alles anders. Sie bauten ihre Beziehung "ber mehrere Jahre hinweg auf, und auch als sie das Waisenhaus verließen, begannen, selbstst"ndig zu leben und ihre ersten eigenen Wohnungen erhielten, distanzierten sie sich nicht voneinander.
   Shepard setzte Dana nie unter Druck, schr"nkte nie ihr Recht ein, ihr eigenes Leben zu f"hren und sich mit ihren Freunden zu treffen. Und sie... sie beschloss, die Beziehung zu ihm aufrechtzuerhalten. Nicht nur um zu bewahren, sondern auch um weiterzuentwickeln. Sie verabschiedete ihn zur Armee, als er von einem "hnlichen Abflugterminal eines milit"rischen Weltraumbahnhofs zu einer Ausbildung aufbrach. Sie schrieb ihm Briefe, sie beantwortete seine Briefe.
   Ja, selten, aber sie schrieb. Schließlich hatte auch sie ein stressiges Leben: Im Waisenhaus hatte sie die schwierige Entscheidung getroffen, Profisportlerin zu werden. Und seitdem sind Trainingseinheiten, Camps, Reisen, Wettk"mpfe, Meisterschaften und Olympische Spiele f"r sie zur Gewohnheit geworden.
   Sie erzielte schnell beachtliche Erfolge und war "berzeugt, dass dieses Leben zu ihr passte, dass es f"r sie akzeptabel war. Hinter jeder Medaille, hinter jedem Diplom stand ihre enorme Leistung. Deshalb verstand sie Shepard, der beschlossen hatte, professioneller Soldat der Spezialeinheiten zu werden, so genau, tiefgr"ndig und vollst"ndig. Ja, sie trafen sich nur sehr selten. F"r eine sehr kurze Zeit. Und Dane war in der Lage, diese Minuten der Begegnungen bis zum Scheitern zu f"llen. Sinn. Inhalt. Wert. John war ihr wichtig.
   An Kinder oder Hochzeit haben sie noch nicht gedacht. Sie lernten sich kennen und verliebten sich. Dana wusste viel "ber Johns Arbeit und seinen Einsatz, und er wusste viel "ber ihre Sportkarriere. Und sie sprachen in ihren Treffen immer wieder "ber mehr als nur dieses Thema. Sie sprachen auch "ber viele andere Dinge. Sie besuchten Museen, Ausstellungen, Konzerte und neue Filme. Sie hatten freie Wahl und passten "berraschenderweise gut zueinander.
   Shepard hat Dana nicht gehetzt. Er sprach weder "ber Heirat noch "ber Kinder. Nat"rlich deutete er all das an. Aber er hatte es nicht eilig. Er bestand nicht darauf, dass all dies auf diese Weise geschehen m"sse - sehr schnell und in allern"chster Zukunft.
   Dana war hocherfreut und erfreut zu h"ren, dass ihr Jonn ein Sch"ler an der En-Seven Akademie geworden war. Und dann... dann gratulierte sie ihm, ihrem John, aufrichtig dazu, dass ihm die h"chste Qualifikationskategorie verliehen wurde. Das war ihr sehr wichtig - sie zweifelte nie an Johns F"higkeit, es an die Spitze zu schaffen.
  
   W"hrend sie seine immer kleiner werdende Gestalt beobachtete, wurde Dana immer deutlicher bewusst, dass sich nun... nun etwas sehr Wichtiges und sehr Großes ver"ndert hatte. Nicht in ihrer Beziehung, nein. Hier blieb alles beim Alten, und deshalb konzentrierte sie sich nicht darauf.
   Hier, in der Abflughalle des Raumhafens, sp"rte sie, wie sich vor John etwas Schwarzes erhob. Etwas, das es ihm nicht mehr erlauben wird, ihr so oft zu schreiben, so oft zu ihr zu fliegen. Und dieses Schwarz ist in der Lage, nicht nur John, sondern auch viele andere Krieger zu absorbieren. Sie versp"rte ein tiefes Unbehagen in ihrer Seele. Sie konnte es nicht in Worte fassen, aber... sie war misstrauisch, besorgt und "ngstlich.
   John ging nun nicht einfach nur zum Milit"rdienst, er ging... in den Krieg. Was es sie kostete, "zum Krieg" zu sagen, es innerlich, stillschweigend zu sagen, wusste wahrscheinlich nur sie selbst.
   Sie hatte nicht einmal solche Angst um John empfunden, als er ihr schrieb, er habe den Befehl erhalten, nach Akuza zu fliegen. Und dann... dann erfuhr sie vom Tod von f"nfzig Soldaten der Spezialeinheiten, die von Dreschw"rmern angegriffen worden waren.
   Sicher, die Extranet-Nachrichtensendung sagte vieles...sehr vage, aber sie sp"rte es. Ich habe es mit ganzem Herzen und ganzer Seele gesp"rt, immer und "berall offen f"r John.
   Sie war der Ansicht, dass John dem Tod auf wundersame Weise entronnen war. Sie war der Ansicht, dass er eigens nach Akuza geflogen war, um an dieser Operation teilzunehmen. Wor"ber in den allgemeinen planetarischen "Nachrichten" so wenig berichtet wurde. Und zwar in einer sehr verschwommenen, unklaren Form. Und sie hatte das Gef"hl, dass Leute wie John nur solche komplexen und schwierigen Operationen annehmen w"rden...
   Wie er damals schon sagte? "Kampfzusammenst"ße". F"nfzig seiner Kollegen ließen sich damals infolge eines Schlangenangriffs nieder. Sie erfuhr nicht einmal sofort, dass er "berlebt hatte. Sie war unsicher, hatte Angst und weinte. Sie musste sich noch auf den n"chsten Wettkampf vorbereiten und an Trainingslagern teilnehmen...
   Direkt vom Trainingslager flog sie in das Krankenhaus, in das John verlegt worden war. Sie sah ihn... verbrachte mehrere Stunden neben seinem Bett und erkannte, dass nur er ihr wichtig war. Niemand sonst. Ja, sie hatte viele Freunde, Bekannte, aber nur bei John konnte sie sich vollkommen frei entfalten. Er akzeptierte sie so, wie sie wirklich war, auch wenn sie nicht versuchte, so zu wirken.
   Und nun hatte sie das Gef"hl, John sei in den Krieg gezogen. Was noch nicht begonnen hatte, sich aber bereits auf das Sonnensystem, auf die Erde zubewegte. Er flog davon, damit dieser Krieg nicht zu viele Menschen betrifft. Zivilisten. Er flog davon, weil er schon immer ein Krieger war. Wer k"nnte das besser wissen als sie? Schließlich hatte sie ihn zum Milit"r verabschiedet, er hatte ihr Briefe aus der Ausbildungsabteilung geschrieben, und in seinen seltenen Urlaubszeiten war er zu ihr geflogen. Wer k"nnte es besser wissen als sie?
  
   Sie selbst konnte sich nicht erinnern, wie sie in Johns leere Privatwohnung zur"ckgekehrt war. Ja, sie wusste, dass John ihr das Recht gesichert hatte, hier dauerhaft zu leben - sein Status erlaubte es ihr schließlich; er war ein Soldat der Spezialeinheiten, ein N-Seven, ein Offizier, ein Hauptmann. Deshalb packte sie ihre Sachen nicht in Taschen und buchte auch keine Tickets f"r einen R"ckflug in die Stadt im S"den Großbritanniens, wo sie ihre eigene Wohnung hatte.
   Ich beschloss, hier zu bleiben, weil John hier im Kreis war. "berall waren Spuren seiner Anwesenheit zu sehen. Sei's drum. Vorl"ufig. Bis er ein paar Briefe, ein paar Nachrichten aus Arcturus schickt. Und wenn m"glich, dann von dem Ort, wohin es nach Arcturus fliegt.
  
   F"r sie war die Arcturus-Station l"ngst nicht mehr nur eine Regierungsstation. Es handelte sich außerdem um einen sehr großen und einen der wichtigsten Milit"rst"tzpunkte der Luft- und Raumfahrtstreitkr"fte der Allianz.
   Die Menschheit ist bereits seit dreißig Jahren im gr"ßeren Kosmos pr"sent. Dreißig Jahre. Vieles hat sich ver"ndert, viele verschiedene Dinge sind im Laufe der Jahre passiert.
   Die Arcturus-Station wurde nur zwei Jahre nach Johns Geburt in Betrieb genommen. Es wurde im Jahr 2156 erbaut und er"ffnet, und John wurde am 11. April 2154 geboren. Dana kannte dieses Datum nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen. Sie vergaЯ es nie.
   Ja, f"r sie als Frau hatten Daten eine besondere Bedeutung. Insbesondere solche. Sie vergaß nie, John zum Geburtstag zu gratulieren. Es gab kein einziges Jahr, in dem sie es vergessen h"tte, es p"nktlich zu tun. Tag fьr Tag.
  
   Ein Jahr sp"ter begann der Erstkontaktkrieg - die Menschen gerieten in einen bewaffneten Konflikt mit der ersten außerirdischen Rasse - den Turianern. Dieser Konflikt war seltsam, und riesige Wissenschaftlerteams arbeiten noch immer daran, ihn zu verstehen. Seitdem hat sich die Menschheit bis in die Zitadelle und dar"ber hinaus ausgebreitet. Dana dankte allen G"ttern, die sie kannte, und manchmal sogar unbekannten, daf"r, dass Jon zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung war: Sie verstand, dass er, wenn er "lter gewesen w"re, sicherlich versucht h"tte, pers"nlich an diesem Krieg teilzunehmen.
   Ja, sie war es gewohnt, Angst um John zu haben, weil... weil sie ihn liebte. Sie liebte ihn, seit sie die erste Liebe erlebt hatte, und w"hlte John als den ihr am n"chsten stehenden Menschen. Und sie war sehr gl"cklich und stolz, dass John gerade sie, Dana, unter den anderen M"dchen in diesem kleinen Waisenhaus ausgew"hlt hatte. Er w"hlte sie aus und machte sie zu seinem Mittelpunkt. Selbst wenn es nur platonisch war, stand sie f"r ihn im Mittelpunkt.
   Sie badete in seinen Gef"hlen, in seinen Emotionen - er gab ihr das Beste von dem, was ihm in dieser Zeit des Heranwachsens zur Verf"gung stand. Sie f"hlte sich besch"tzt und gl"cklich. Und sie versuchte, John gl"cklich zu machen. Ja, sie wusste, dass nicht alle Menschen die Grenze platonischer Beziehungen "berschreiten, wenn das Gef"hl der ersten Liebe zu verblassen beginnt und Raum f"r eine große, echte, wahre Liebe entsteht.
   W"ren beide in normalen Familien aufgewachsen, h"tten sie vielleicht ruhig und frei getrennte Wege gehen k"nnen, aber ein Waisenhaus ist ein besonderes Umfeld, seine Bewohner unterscheiden sich nur geringf"gig von Kindern, die selbst in Ein-Eltern-Familien aufgewachsen sind. Und sie unterscheiden sich noch viel mehr von jenen Kindern, die in Familien aufgewachsen sind, in denen es sowohl eine Mutter als auch einen Vater gab.
   Gut, dass sie schon im Waisenhaus etwas gefunden hat, dem sie sich fast vollst"ndig widmete - den professionellen Spitzensport. Sie hatte ihr ganzes Leben dem Sport gewidmet und wusste, dass auch John seine Wahl getroffen hatte - er wollte Offizier der Spezialeinheiten werden und begann in den letzten Jahren seines Aufenthalts im Waisenhaus ernsthaft mit den Vorbereitungen, um seine Wahl zu verwirklichen. Gerade als sie sich darauf vorbereitete, in die Welt des Spitzensports einzusteigen.
   Nachdem sie das Waisenhaus verlassen hatten, verf"gten beide bereits "ber klare Richtlinien f"r ihr Erwachsenenleben. Sie hielt einen Zeitplan f"r Trainingslager, Reisen, "bungen und Wettk"mpfe in den H"nden, und er hatte einen Trainingsplan f"r die Elite-Spezialeinheiten, die Teil der Allianz der Luft- und Raumfahrtstreitkr"fte der Systeme waren.
  
   Dana erinnerte sich den 11. April 2017 ihr Leben lang. Dieser Tag wurde sowohl Johns Geburtstag als auch der Tag seines Eintritts in die Streitkr"fte der Systems Alliance. Ja, die beiden schafften es, Shepards n"chsten Geburtstag zu feiern, saßen in einem Caf" und dann am Ufer des Flusses Dee in Chester. Irgendetwas zog Dane in diese Stadt, und Shepard, der davon wusste, protestierte nicht. Und am Abend verabschiedete sie ihn zur Armee. Sie weinte nat"rlich, wie h"tte sie auch anders k"nnen? Sie war besorgt, nerv"s. John war auch... nervцs, aber er beherrschte sich.
   F"r Dana war es wichtig, dass er seine Emotionen im Griff behielt. Er half ihr immer - schon allein durch seine Anwesenheit, und wenn er f"r sie und ihretwegen handelte... dann war sie "bergl"cklich. Sie empfand dieses Gl"ck oft, und selbst dann, als sie das milit"rische Passagiertransportflugzeug mit den neuen Rekruten an Bord zur Ausbildungseinheit abheben sah, wusste sie, dass sie gl"cklich war. Sie war auf eine ganz besondere Art gl"cklich: John hatte sein Ziel erreicht - er hatte einen Weg eingeschlagen, auf den er sich seit Jahren vorbereitet hatte. Er hatte sich bewusst und zielgerichtet vorbereitet.
   Nur f"nf Jahre vergingen, und dann ereignete sich der Vorfall in Akuza. Im Krankenhaus wurde John seine erste Medaille verliehen. Als einziger "berlebender Soldat der Spezialeinheiten. Vieles an diesem Vorfall blieb f"r diejenigen unklar, die nicht in die Details eingeweiht waren, aber f"r Dana z"hlte nur, dass John "berlebt hatte und zur"ckgekehrt war.
   Ja, er wurde in ernstem Zustand mit dem Krankenwagen eingeliefert. Aber er hat "berlebt, er ist am Leben geblieben und er ist zur"ckgekommen! Sie strich mit den Fingern "ber das Emaille und das Metall seiner Medaille, die an seinem Krankenhauspyjama befestigt war, und er l"chelte und sagte, dass nun auch er Medaillen auf olympischem Niveau besitze. Fast genau wie ihre.
   Sie lachte. Sie lachte, weil sie sah, weil sie glaubte: Er hatte nicht nur "berlebt und war zur"ckgekehrt, er hatte alles in sich bewahrt, was sie so sehr liebte. Er blieb derselbe, f"r sie derselbe, obwohl er sich nat"rlich ver"nderte, strenger wurde und weniger redselig. Sie akzeptierte all diese Ver"nderungen als gegeben, denn John ist ein Mann, er geht seinen Aufgaben nach, er ist ein Krieger, er ist ein Offizier.
   Und sie steht ihm zur Seite. Sie ist mit ihm zusammen. Jetzt sind beide selbstst"ndige Erwachsene. Er respektiert ihr Recht, "ber die Kinder zu entscheiden - das weiß sie ganz sicher. Sie w"nschte sich Kinder mit ihm, das wollte sie unbedingt, aber John... dr"ngte sie nie, bestand nie darauf, setzte sie nie unter Druck. Und daf"r war sie ihm dankbar.
   Das Jahr 2183 ist angebrochen. Nach der Akuse vergingen sechs Jahre. John erholte sich und verbrachte eine lange Zeit in der Reserve des Alliance Aerospace Forces Command, wo er auf "bungsgel"nden und gl"cklicherweise auch bei verschiedenen Bodentruppen eingesetzt wurde. Diente, arbeitete, handelte, verbesserte sich. Er mochte es nicht, unt"tig zu sein. Sie war ruhig und gl"cklich - wenn auch nur gelegentlich, flog er zu ihr, und sie verbrachten ein paar Stunden, manchmal sogar Tage, zusammen und in enger Verbundenheit.
   Das Kommando und ihre Kollegen wussten, dass Dana praktisch die erste Kandidatin f"r John Shepards Braut war, aber John selbst setzte Dana nie unter Druck und dr"ngte sie nie zu einer endg"ltigen Entscheidung. "berraschenderweise blieb sie ihm gegen"ber ungezwungen und unbefangen. Sie konnte sich ruhig und frei mit anderen jungen M"nnern unterhalten, und er... er war nicht eifers"chtig, weil er ihr vertraute.
   Er flog nach Arcturus davon und sie verabschiedete ihn. Sie sah dem Shuttle beim Start zu, kehrte dann in seine Wohnung zur"ck und blieb dort noch einige Tage. Bis zum Flug nach Tokio zum n"chsten Sporttrainingslager. Sie wollte Johns Wohnung nicht fr"hzeitig verlassen. Ich wollte nicht und... ich konnte nicht. Sie hatte Angst, war besorgt, dass dies - der gesamte Inhalt ihrer Junggesellenwohnung - das Einzige sein k"nnte, was ihr nach Johns Abreise bleiben w"rde. Nach seiner Abreise ins Nichts.
   Etwas sehr Schwarzes schwebte "ber ihm. Sie sp"rte es, verbarg es aber vor John, weil sie verstand, dass er "hnliches empfand. So ist er eben.
   Sie verstand, dass John nicht lange auf der Arcturus bleiben w"rde. Er wird also dem Schiff zugeteilt, und dann... dann folgt ein schwieriger und gef"hrlicher Flug. Sehr gef"hrlich.
   Diese Schw"rze... war irgendwie besonders. So schwer, dass Dana selbst, egal wie sehr sie sich auch bem"hte, in ihrer Erinnerung oder ihrem Wesen kein Analogon zu diesem bedr"ckenden Gef"hl finden konnte, das durch diese "ber Jon schwebende Schw"rze hervorgerufen wurde. Selbst nach Akuza, nachdem Dana die t"dliche Gefahr sp"rte, die dort "ber Shepard schwebte, auf diesem Planeten, der sich als sehr unwirtlich herausstellte, war sie nicht so "ngstlich, nicht besorgt und nicht beunruhigt. An dieser j"ngsten "Gesch"ftsreise" von John war etwas faul. Irgendetwas war faul.

Kapitel 2.1 Captain John Shepard von der Systems Alliance Aerospace Force. Arcturus-Station.

  

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